Schweizer Jugendliche gehen für Klimaschutz auf die Strasse

In Frauenfeld gehen zum ersten Mal Jugendliche für den Klimaschutz auf die Strasse. Die Schüler im Kanton Thurgau müssen für heute Nachmittag einen Jokertag eingeben. Ansonsten riskieren sie eine unentschuldigte Absenz.

Der erste Klimastreik in Frauenfeld, im Beitrag von RADIO TOP:

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Auch TELE TOP war beim Klimastreik in Frauenfeld dabei:

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In Zürich waren gemäss Organisatoren 12’000 Menschen am Klimastreik beteiligt, in Luzern 1500. Auf Transparenten waren Sprüche zu lesen wie «Oma, was ist Schnee?» oder «Make Love, not CO2».

In Lausanne schwänzten viele Jugendliche die Schule, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Um 10.30 Uhr startete der Protestmarsch, der vom Bahnhof ins Stadtzentrum führte. Auf Schildern und Transparenten konnte man lesen: «Ohne einen Planeten werden wir dumm aussehen» oder «Wir sind heisser, heisser als das Klima» war einer der lautstarken Sprechchöre, die zu hören waren.

Die Polizei schätzte die Zahl der Kundgebungsteilnehmer auf rund 10’000. Erneut schlossen sich viele Erwachsene der Jugendbewegung an.

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Bundesrätin und Umweltministerin Simonetta Sommaruga versteht die Ungeduld der Jugendlichen, wie sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA in Nairobi (Kenia) sagte. «Wir müssen jetzt Antworten geben, denn der Klimawandel ist auch in der Schweiz angekommen», sagte Sommaruga am Donnerstag in Nairobi.

Dort hatte sich die Bundesrätin an der vierten Vollversammlung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEA-4) für eine Stärkung der internationalen Umweltpolitik ausgesprochen. Nicht nur international setzt sich Sommaruga für Umweltschutz ein, sie setze sich im Parlament mit all ihren Möglichkeiten für die Ausarbeitung des CO2-Gesetzes ein, sagte Sommaruga.

Die Organisatoren des Klimastreiks in der Schweiz fordern, dass die Schweiz den Klimanotstand ausruft, heisst es auf der Webseite. Zudem solle die Schweiz bis im Jahr 2030 ihre «Treibhausgasemissionen auf Null senken», dies ohne Kompensationstechnologien einzuplanen. Eine weitere Forderung ist «Klimagerechtigkeit».

Die Klimastreiks in der Schweiz werden von einer dezentralen Jugendbewegung organisiert, die weder an eine Partei noch an eine Organisation gebunden ist, wie es auf der Webseite der Organisatoren weiter heisst. Am 14. Dezember hatte der erste Klimastreik mit rund 300 Teilnehmenden in Zürich stattgefunden.

Unterdessen ist die Bewegung gewachsen. Anfangs Februar demonstrierten in 14 Schweizer Städten Tausende Schülerinnen und Schüler, Eltern, Grosseltern und andere Sympathisanten für einen besseren Klimaschutz und die Ausrufung des Klima-Notstands. Nach Angaben der Polizei waren es landesweit mehr als 38’000 Personen. Laut den Organisatoren waren es 65’000 Menschen.

Start in Neuseeland
Mit einer Demonstration in der neuseeländischen Hauptstadt Wellington hatte am Freitag der weltweite Protesttag von Jugendlichen begonnen. Mit Plakaten mit Aufschriften wie «Die Zeit schmilzt weg» oder «Handelt jetzt oder schwimmt» zogen am Freitag hunderte Schüler und Studenten durch Wellington.

Die Schüler-Proteste gehen auf die schwedische Schülerin Greta Thunberg zurück. Sie hatte vergangenes Jahr begonnen, jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament für Klimaschutzmassnahmen zu demonstrieren, statt in die Schule zu gehen. Dafür wurde sie mittlerweile für den Friedensnobelpreis nominiert.

«Wir erleben nur den Anfang», schrieb Thunberg im Kurzmitteilungsdienst Twitter zu der jüngsten Protestwelle. «Ich denke, dass der Wandel am Horizont zu sehen ist und die Menschen für ihre Zukunft aufstehen.»

Trotz anhaltender Warnungen von Wissenschaftlern vor den Folgen der Erderwärmung hat der weltweite Ausstoss von klimaschädlichem Kohlendioxid in den vergangenen zwei Jahren neue Rekordwerte erreicht. Laut einem Bericht des Weltklimarats IPCC vom Oktober kann nur ein grundlegendes weltweites Umsteuern eine globale Klimakatastrophe verhindern.