"Gelbwesten"-Gewalt hier, Klimaschützer dort

Paris zwischen Randale und friedlichem Protest: “Gelbwesten” verübten im Herzen von Paris erneut massive Ausschreitungen. Bei einer sehr viel größeren Kundgebung forderten Zehntausende mehr Klimaschutz.

Der Protest der “Gelbwesten”-Bewegung in Paris ist in den gewalttätigsten Samstag seit langem ausgeartet. Auf den Champs-Elysées und rund um den Arc de Triomphe gab es Ausschreitungen. Nach Angaben der ARD-Korrespondentin Barbara Kostolnik gleicht der Prachtboulevard einem Schlachtfeld.

Demonstranten warfen Rauchbomben und Pflastersteine auf Polizisten und griffen ein Einsatzfahrzeug an. Auf Fotos waren brennende Fahrzeuge und Barrikaden zu sehen. Auch Zeitungsstände und eine Bank auf dem Boulevard Roosevelt gerieten in Brand.

Eine Mutter und ihr Baby wurden von der Feuerwehr aus der zweiten Etage des Gebäudes gerettet. Elf Menschen wurden verletzt. Zudem zerstörten Randalierer Scheiben, plünderten Geschäfte und ein Spitzen-Restaurant.

Tausende Polizisten bekommen Randalierer kaum unter Kontrolle

Ein sichtlich erschütterter Premierminister Edouard Philippe nannte die Ausschreitungen inakzeptabel. Für sie seien etwa 1000 gewaltbereite Chaoten verantwortlich. Die Polizei werde mit größter Härte dagegen vorgehen.

Tatsächlich bekamen die 5000 Beamten die Krawalle kaum unter Kontrolle. Sie gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Gewalttätigen vor. Die Nachrichtenagenturen berichteten übereinstimmend von mehr als 100 Festnahmen.

Das Innenministerium sprach von 10.000 Demonstranten in Paris. Landesweit seien es 14.500 gewesen.

Zuletzt weniger Teilnehmer

Es ist das 18. Wochenende in Folge, an dem die “Gelbwesten” gegen die Reformpolitik von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron protestieren. Zuletzt sank die Zahl der Teilnehmer. Am vergangenen Wochenende protestierten nach offiziellen Angaben 28.600 “Gelbwesten”-Anhänger – weniger als an den vorherigen Wochenenden. Zahlreiche Führungsfiguren der “Gelbwesten” hatten anschließend recht einhellig dazu aufgerufen, gemeinsam in Paris zu demonstrieren.

Macron hatte als Antwort einen landesweiten Bürgerdialog ins Leben gerufen. Er endete am Freitag. Erste Ergebnisse will der Staatschef im April präsentieren. Laut “Le Monde” gab es rund 10.000 Veranstaltungen im ganzen Land, im Internet wurden 1,4 Millionen Beiträge gesammelt. In den Rathäusern der Republik füllten Bürger 16.000 Beschwerdebücher aus.

Nun müsse Macron liefern, sonst gehe das Ganze nach hinten los, hieß es in französischen Medien. Die “Gelbwesten” sehen in der Bürgerdebatte ein “Ablenkungsmanöver”.

Friedliche Demo gegen Klimakatastrophe

Im Osten der Stadt demonstrierten derweil Zehntausende Menschen friedlich und in gelöster Stimmung für mehr Klimaschutz, beim so genannten Marsch des Jahrhunderts. “Eine Demonstration der Hoffnung” sei dies, sagte der Spitzenkandidat der französischen Grünen für die Europawahl, Yannick Jadot. Es geht nicht nur darum, den Klima-K.O. zu verhindern, sondern der Jugend eine Zukunft zu bieten.

Die Teilnehmer forderten die französische Regierung auf, aktiv zu werden und den Klimawandel zu bremsen. Zugleich gab es in mehr als 200 weiteren französischen Städten ähnliche Proteste.

Für viele Teilnehmer war es der zweite Demonstrationstag in Folge: Am Freitag hatten sich Zehntausende französische Schüler an den weltweiten Klimaprotesten “Fridays for Future” beteiligt.

Mit Informationen von Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris