BVB siegt in Berlin: Zu viele Fehler machen meisterfähiges Team nicht meisterfähig

Bei 3:2-Erfolg in Berlin: BVB siegt in Berlin: Zu viele Fehler machen meisterfähiges Team nicht meisterfähig

Borussia Dortmund gewinnt hochverdient gegen Hertha BSC – doch nicht zum ersten Mal steht sich eine starke Dortmunder Mannschaft selbst im Weg und ist bis zum Ende auf Glück angewiesen. Das kann im Meisterkampf mit dem FC Bayern fatal sein.

Hertha BSC geschlagen, drei Punkte gewonnen, Tabellenführung über Nacht zurückgewonnen. Der Auswärtssieg in Berlin klingt zunächst nach einer gelungenen Pflichtveranstaltung im Meisterrennen für Borussia Dortmund.

Ist es ja auch. Und Meister wollen sie in Dortmund ja auch nach der neu gewonnenen Selbstverständlichkeit werden, wie Sportdirektor Michael Zorc zuletzt angriffslustig ankündigte.

Den Titelendspurt hat der BVB-Boss damit selbst eröffnet. Fehler sind nun tabu. Die machen die Schwarz-Gelben zuletzt aber zur Genüge. Auch gegen den Hauptstadtclub.

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Herthas Niklas Stark und Dortmunds Christian Pulisic im Zweikampf

Dass die drei Zähler am Ende ein so mühsam erkämpfter Erfolg sind, haben sich die Borussen selbst zuzuschreiben.

Erst patzt der bisher überragende Schlussmann Roman Bürki nach vier Minuten und verschuldet das 0:1, später verursacht Julian Weigl einen Handelfmeter, aus dem die erneute Berliner Führung resultiert.

BVB: Abwehr patzt hinten, Angriff vorne

Individuelle Fehler machen dem BVB das Leben schwer. Am Ende gewinnen sie hochverdient, aber auch glücklich, weil Marco Reus erst in der Nachspielzeit und in Überzahl den entscheidenden Treffer zum 3:2 (1:2) erzielt.

Den hätten die Gäste schon viel früher machen müssen. 25 Schüsse gibt die Mannschaft von Trainer Lucien Favre ab, darunter nicht wenige Hundertprozentige wie von Jakob Bruun Larsen (22. Minute), Christian Pulisic (75.) oder der wilden Dreifachchance von Jadon Sancho, Pulisic und Achraf Hakimi (80.). Den Lattentreffer von Thomas Delaney mal außen vor gelassen.

Bei derartigem Chancenwucher muss Dortmund auch Glück haben, dass Referee Tobias Welz beim Zweikampf zwischen Abdou Diallo und Ondrej Duda nicht auf einen zweiten Strafstoß für Hertha entscheidet.

Hertha BSC ist kein Einzelfall

Es ist nicht die erste Partie der Saison, bei der individuelle Fehler der guten Borussia-Mannschaftsleistung einen Sieg gefährden oder gar kosten.

Ob die grauenvolle Torausbeute in der Champions League gegen Tottenham (null), die zwei Patzer von Hakimi und Dan-Axel Zagadou in Augsburg oder jener von Diallo gegen Hoffenheim – vorne patzen die Torjäger, hinten die Torverteidiger. Dazu kommt die generelle Anfälligkeit bei hohen Bällen und Standards.

Samstag 16 03 2019 Saison 2018 2019 1 Bundesliga 26 Spieltag im Berliner Olympiastadion Hertha

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Marco Reus und Jadon Sancho jubeln über den Treffer zum 3:2-Sieg

Dortmunds Team ist jung, und vielleicht fehlt trotz aller Leichtigkeit die spielerische Disziplin, vielleicht auch Erfahrung oder Nervenstärke.

Durch die Vielzahl an Fehlern wird der BVB in den verbleibenden acht Ligaspielen noch mindestens einmal an seine Grenzen kommen, was Punkte kosten kann. Zumindest im direkten Aufeinandertreffen beim FC Bayern müssen die vermeidbaren Unzulänglichkeiten reduziert werden.

Die späte Befreiung in Berlin verleiht erst einmal Aufwind. “So ein Sieg in der 93. Minute gibt einen enormen Push”, sagt Reus – und stellt eine Eigenschaft in den Vordergrund, die Dortmund auf keinen Fall abgesprochen werden darf: “Es war wichtig, dass wir große Moral bewiesen haben.”

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