Als es zählte, war Mercedes wieder da

Hamilton und Bottas waren in der ersten Qualifikation der neuen Formel-1-Saison eine Klasse für sich, und Verstappen trennte das Ferrari Duo. Überraschende Debütanten und katastrophale taktische Irrtümer in Melbourne.

Als hätte es keine Probleme im Testen gegeben, als wäre alles so einfach: Mercedes zeigte schon in der ersten Qualifikation der neuen Formel-1-Saison, wo der Hammer hängt. Denn selten gelang Lewis Hamilton und Valtteri Bottas eine “Doppel-Pole” mit so großem Vorsprung wie Samstag in Melbourne: Sebastian Vettel lag 0,6 Sekunden als Dritter hinter Hamilton, dessen Vorsprung auf den Teamkollegen aus Finnland nur elf Hundertstel betrug – Bottas war nach dem ersten Versuch in der Schlussphase noch vor dem Titelverteidiger gelegen.
Zwischen Vettel und seinen jungen, neuen Teamkollegen Charles Leclerc schob sich noch Max Verstappen im Red Bull. Die zweite Startreihe war für das österreichisch-britische Team das Maximum, das allerdings taktische Fehler in der Autoabstimmung verdauen muss. In der ersten Phase wähnte man Pierre Gasly zwei Minuten vor dem Ende auf Platz acht “sicher” und schickte den Franzosen nicht noch einmal auf die Strecke – in der Box erlebte er, wie er Platz um Platz zurückgereicht wurde und als 17. den Aufstieg in Q2 verpasste! Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko erklärte dazu: Bei Gasly setzte ein Sensor der Batterie aus, er hatte dadurch nicht die volle Motorleistung. Es war keine Zeit mehr, ihn nochmals auf die Strecke zu schicken.”
Zum Rückstand auf Mercedes meinte der Grazer: “Entsetzlich. Ich hoffe, das ist hier ein Melbourne-spezifisches Phänomen, andernfalls….” Red Bull habe bis zum letzten freien Training auf eine harte Abstimmung gesetzt, aber dann erkannt, dass dies der falsche Weg war, und baute für die Qualifikation um – was nur noch eine Detailverbesserung ergab. “Verstappen bot eine fehlerfreie Leistung”, fügte Marko an.
Ähnlich wie Gasly und Red Bull erging es dem Renault-Team, das in Q2 Nico Hülkenberg nicht mehr zu einer schnellen Runde brachte. Der Deutsche verpasste als Elfter wie Lokalmatador Daniel Ricciardo (12.) den Aufstieg in die Entscheidung. Für Ricciardo setzt sich das Pech in seinem Heimrennen weiter fort.
Für Lewis Hamilton war die sechste Pole im Albert Park in Folge die 84. seiner Karriere – und mit der achten in Australien stellte er den Rekord von Senna (acht erste Startplätze in Imola) und Schumacher (acht in Japan) ein. “Davon hatte ich keine Ahnung. Wichtig ist, dass wir vorn sind, dass mir vor den Augen meiner Familie hier eine gute Leistung gelang. Die Runde war wirklich unglaublich, und so war auch mein Auto”, erklärte der Engländer. “Es lief schon gestern nicht schlecht, aber heute war das erste Mal in diesem Jahr, dass es zählte, und wir können mit den Änderungen am Auto zufrieden sein. Wir machten die richtigen Schritte. Im letzten Versuch war mein erster Sektor nicht gut”, sagte der Finne. Und gab sich demütig: “Ich bin froh, in diesem Team in dieser Position zu sein.”
Vettel bestritt, dass sein Ferrari Probleme in Q3 hatte, nachdem er im zweiten Abschnitt auf die Wiese und in den Sand gekommen war und diese Runde hatte abbrechen müssen. “Ich weiß aber wirklich nicht, wo wir diese Zehntel verloren haben. Das Rennen dauert 58 Runden, da kann noch viel passieren. Mit dem heutigen Ergebnis müssen wir leben”, meinte der Deutsche ziemlich bedrückt.
Die erste Qualifikation brachte einige Überraschungen. Während Haas (6. Grosjean, 7. Magnussen) die führende Rolle der Mittelfeldteams bestätigte, war der achte Startplatz des Debütanten Lando Norris im McLaren fast eine Sensation – zumal er den routinierten Teamkollegen Carlos Sainz deutlich ausstach, der als 18. nicht über Q1 hinausgekommen war und eine Behinderung durch Robert Kubica im Williams – dem klar langsamsten Fahrer – monierte. Neben Norris waren auch die weiteren Neulinge Alex Albon (13. gegen Daniil Kwajt/15., bei Toro Rosso) und George Russell (als 19. 1,7 Sek. vor Rückkehrer Kubica bei Williams) schneller als die routinierteren Teampartner.
Startaufstellung ohne Berücksichtigung allfälliger Strafen: 1. Hamilton, 2. Bottas, 3. Vettel, 4. Verstappen, 5. Leclerc, 6. Grosjean, 7. Magnussen, 8. Norris, 9. Räikkönen (Alfa), 10. Perez (Racing Point), 11. Hülkenberg, 12. Ricciardo, 13. Albon, 14. Giovinazzi (Alfa), 15. Kwjat, 16. Stroll (Racing Point), 17. Gasly, 18. Sainz, 19. Russell, 20. Kubica.