Umfärbung im VerbundWieder ein prominenter Abgang in Staatsunternehmen

Gerhard Roiss verlässt den Verbund
Gerhard Roiss verlässt den Verbund © APA/GEORG HOCHMUTH

Der von der türkis-blauen Regierung eingeleitete Farb- und Generationenwechsel beim Verbund sorgt dort für einen wohl nicht ganz konfliktfreien Abschied. Gerhard Roiss, seit fast zwei Jahren Aufsichtsratschef beim börsennotierten, mehrheitlich staatlichen Stromversorger, haut den Hut drauf.

Mittwochnachmittag informierte er Finanzminister Hartwig Löger von seiner Entscheidung. Löger ist Eigentümervertreter, seine Auffassung, über die neue Staatsholding ÖBAG deutlich stärker Einfluss auf die Unternehmen mit Staatsanteil ausüben zu wollen, ist der Grund für Roiss’ frühzeitigen Abgang.

Roiss’ Mandat wäre eigentlich bis 2020 gelaufen. Der 66-jährige Oberösterreicher ist nicht der erste, der Löger auf diese Art und Weise sein Missfallen ausdrückt. Schon im Herbst zog der ehemalige Siemens-Boss Peter Löscher für sich als OMV-Aufsichtsratschef die Reißleine, kündigte seinen Rückzug für die OMV-Hauptversammlung in diesem Frühjahr an.

Roiss selbst machte sich nach der Aussprache mit Löger rar. Am Abend erst bestätigte der Verbund, Roiss lege sein Mandat bei der Hauptversammlung Ende April zurück. Roiss war von 2011 bis Mitte 2015 Chef des Öl- und Gasriesen OMV, wo er nach Konflikten mit der Staatsholding ÖIAG den Sessel räumte. Die ÖIAG wurde wenig später zur Öbib umorganisiert, derzeit wird die Reform zur ÖBAG durchgezogen.

Roiss versteht sich als politisch unabhängig, er ist aber aus der „alten“ ÖVP-Riege etwa mit Ex-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner gut vernetzt. Sehr kritisch soll Roiss die Neubesetzungen im Verbund-Vorstand Mitte 2018 beurteilt haben. Zu Wolfgang Anzengruber, der noch zwei Jahre Chef bleibt, wurden im Juni ÖVP-Landespolitiker Michael Strugl und FPÖ-Mann Achim Kaspar zu Verbund-Vorständen bestellt.