Raubüberfall auf Geldtransport mit drei Millionen Euro

Raubüberfall auf Geldtransport mit drei Millionen Euro

Die Räuber zwangen die Postmitarbeiter, vom Nachtclub “Villa Ostende” zur Baustelle der A26 an der Donau zu fahren. Bild: Matthias Lauber

LINZ. Brutale Räuber nahmen zwei unbewaffnete Geldboten der Post kurzfristig als Geiseln. Die Täter konnten mit hoher Beute flüchten

Szenen wie in einem spektakulären Kriminalfilm haben sich gestern früh in der Linzer Innenstadt abgespielt: Zwei Geldboten wurden von zwei unbekannten Tätern überfallen und kurzfristig als Geiseln genommen. Das Duo zwang seine Opfer, sie mit dem Geldtransporter zur an der Donau gelegenen A26-Baustelle an der B129 zu bringen. Von dort flüchteten die beiden bewaffneten Täter samt der sehr hohen Beute – dem Vernehmen nach rund einer Million Euro.

Was war genau geschehen? Es war um 6.20 Uhr, als der gelbe Transporter der Marke Fiat Ducato vor dem Nachtclub “Villa Ostende” in der Eisenbahngasse 14 in Linz anhielt. Der Fahrer war ein 33-jähriger Post-Bediensteter aus Linz, am Beifahrersitz saß sein 22-jähriger Kollege aus Traun.

Als Mitarbeiter der Abteilung Wertlogistik sind die beiden für die Befüllung von Bankomaten zuständig – ein Automat im Nachtclub Ostende war unter den ersten Bankomaten des Tages, den sie befüllen hätten müssen. Laut Ermittlern befanden sich beinahe drei Millionen Euro in bar in dem ungepanzerten Fiat-Transporter.

Beim Öffnen des Laderaums wurde der Fahrer plötzlich von zwei maskierten Männern mit einer Faustfeuerwaffe bedroht und in den Laderaum gestoßen. Der 33-Jährige wurde mit einem Klebeband gefesselt und geknebelt.

Während der 33-Jährige von einem der Täter mit dem Gesicht nach unten zu Boden gedrückt wurde, musste sein 22-jähriger Kollege als Fahrer fungieren. Die Räuber dirigierten ihn Richtung Donau und anschließend auf der Eferdinger Straße (B129) flussaufwärts, wo der Trauner den Postwagen schließlich auf der Baustelle der A26 anhalten musste, wie Polizeisprecher Michael Babl schildert.

Raubüberfall auf Geldtransport mit drei Millionen Euro

Geldboten geknebelt

Dort musste der Fahrer die im Laderaum deponierten Geldboxen öffnen. Anschließend wurde er ebenfalls gefesselt, geknebelt und in den Laderaum zu seinem Kollegen gestoßen. Anschließend nahmen die beiden Täter einen Teil des mitgeführten Geldes an sich und flüchteten zu Fuß in Richtung Wilhering.

Die Opfer verharrten auf der Ladefläche, der jüngere der beiden Postbediensteten soll dabei kurzfristig das Bewusstsein verloren haben. Ihr Martyrium hatte erst ein Ende, als es dem 33-Jährigen gelang, sich und seinen Kollegen zu befreien.

Danach mussten die verletzten und geschockten Männer eine weitere unangenehme Erfahrung machen: Die beiden mit einer Postuniform bekleideten Opfer liefen zu der im Morgenverkehr stark befahrenen Eferdinger Straße, um Hilfe zu holen. “Sie versuchten mehrmals, Autos anzuhalten. Doch keines blieb stehen”, sagt ein Ermittler. Erst die Alarmierung der Polizei gegen 6.50 Uhr brachte ihnen Hilfe: Beide Geldboten wurden ins Linzer Unfallkrankenhaus gebracht.

Raubüberfall auf Geldtransport mit drei Millionen Euro

Unverständnis bei der Polizei

Gleichzeitig leiteten die Beamten eine Großfahndung ein. Aber auch kurzfristig eingerichtete Straßensperren auf der Eferdinger Straße sowie die Suchflüge eines Polizeihubschraubers brachten keinen Erfolg. Dass zwei unbewaffnete Postbeamte ohne spezielle Sicherheitsausbildung in einem ungesicherten Transporter mit einem derart hohen Geldbetrag unterwegs waren, löst bei den Ermittlern der Kriminalpolizei – gelinde gesagt – Unverständnis aus. “Dass die Post derart leichtsinnig ist, haben wir nicht erwartet”, sagt ein hochrangiger Beamter der Landespolizeidirektion.

Bei der Post gab man sich gestern zugeknöpft. Nur so viel wollte Sprecher Michael Homola verraten: Von den insgesamt rund 7000 Zustellfahrzeugen der Post werde ein Teil für derartige Geldtransporte verwendet. Zu deren Sicherheitsausstattung könne er sich aber nicht äußern, sagte er.

Von der Polizei wird weiterhin mit einem Großaufgebot nach den beiden Flüchtigen gefahndet. Etwaige Zeugen, die die beiden Täter bei ihrer Flucht auf der Bundesstraße beobachtet haben, werden gebeten, sich beim Landeskriminalamt telefonisch unter 059133/40 3333 zu melden.

 

 

Aufsehenerregende Überfälle auf Geldtransporte in Österreich

Aufsehenerregende Überfälle auf Geldtransporte in Österreich

Überfälle auf Geldtransporte sind relativ selten. Hier eine Auflistung mehrerer spektakulärer Fälle aus den vergangenen Jahren.

  • 2. Juni 2014 – In Marchtrenk erbeuten drei Rumänen bei einem Überfall auf einen Geldtransport fast 270.000 Euro. Die Täter sind mit Maschinenpistolen bewaffnet. Sie werden wenige Stunden nach der Tat gefasst.
  • 14. Februar 2014 – Bei einem Überfall auf der Inntalautobahn geben sich die Täter als Zivilstreife aus. Sie bedrohen den Lenker mit einer Pistole und flüchten mit der Beute.
  • 23. Dezember 2013 – Eine Frau überfällt gemeinsam mit einem Komplizen in Wien einen Geldtransporter einer Sicherheitsfirma, bei der sie bis wenige Monate vor der Tat gearbeitet hat. Wenige Tage später werden sie verhaftet.
  • 27. August 2013 – Unbekannte versuchen, bei St. Pölten die Westautobahn A1 mit brennenden Pkw zu blockieren, um so einen Geldtransporter zum Anhalten zu zwingen. Die Sicherheitskräfte können ausweichen, der Überfall misslingt. Zurück bleiben die ausgebrannten Wracks auf der A1.
  • 9. März 2012 – Ein bewaffnetes Duo bedroht in Wien zwei Mitarbeiter eines Geldtransports, die einen Bankomaten befüllen. Bei einem Gerangel fallen Schüsse, welche die Kriminellen treffen. Ein Verdächtiger wird gefasst, sein Komplize stellt sich drei Stunden später.
  • 4. März 2011 – Drei maskierte Räuber überfallen in Wien einen Geldtransporter und entkommen mit zwei Koffern. In diesen befinden sich 700.000 Euro, die jedoch durch entsprechende Sicherheitseinrichtungen unbrauchbar sind.
  • 13. Juli 2009 – Beute im sechsstelligen Bereich machen unbewaffnete Täter bei einem Überfall auf den Fahrer eines abgestellten Transporters in Wien-Rudolfsheim.
  • 31. Oktober 2007 – In Perg wird ein Geldtransporter überfallen. Der Fahrer wird mit Pfefferspray attackiert, der Täter entführt den Transporter. Vorgeblich, denn tags darauf findet die Polizei heraus, dass der Täter der Chef des Transportunternehmens war und der Lenker sich an dem fingierten Coup beteiligt hatte.