GeburtstagDer Rapp der Nation ist 75

Rapp'n Roll
Der „Wurli“ und sein Meister: Peter Rapp moderierte den „Wurlitzer“ bis 1995. © ORF

Seine größte Leistung besteht darin, dass man ihn niemandem erklären muss. Zumindest niemanden, der noch mit dem ORF als ständigen Begleiter aufgewachsen ist. Über die Jahrzehnte gehörte Peter Rapp zum Inventar des ORF, war ein Dauergast in den heimischen Wohnzimmern, den man besser zu kennen vermeinte als die eigene Verwandtschaft.

Als eine Art Jugendbeauftragter des Staatsfernsehens brachte er Schmäh in ein sehr erwachsenes, steifes Fernseh-Zeitalter. Die Musiksendung „Spotlight“, die großen Vorbildern aus dem angloamerikanischen Raum nachempfunden war, war nach heutigen Begriffen zwar ungemein langsam und puristisch, ja staubtrocken. Aber die vom Publikum mechanisch beklatschte Lebendigkeit der Musik, der langhaarige Irrsinn dieser knallbunten, oft sexuell aufgeladenen Live-Performances von Interpreten beiderlei Geschlechts, ergab einen unerhörten Reiz, den der stets zur Witzelei und sanfter Ironie neigende Peter Rapp im doppelten Wortsinn moderierte.

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Peter Rapp als Moderator von ‘Millionenrad’ (1994). Die Sendung wurde später durch die “Brieflos-Show” abgelöst. Im Dezember 2018 drehte Peter Rapp zum letzten Mal am Rad.

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Zwischen 1997 und 2000 moderierte er gemeinsam mit Martina Rupp die Show “Champion”.

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Von 1968 bis 1978 moderierte Rapp die Musikshow „Spotlight“.

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Pit Weyrich, Peter Rapp, Michael Niavarani, Ossy Kolmann in “Wer lacht, gewinnt”

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Peter Rapp moderierte mehr als 30 Jahre lang “Licht ins Dunkel”. Das Bild stammt aus dem Jahr 2004.

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Rapps Schmäh und Schlagfertigkeit sind unerschütterlich, wirken wie von tausend Zeltfesten gehärtet. Er selbst wurde zur Allzweckwaffe. Nach „Spotlight“ kam „Wurlitzer“ und so manche Abendshow, später das „Millionenrad“, die sich in die „Brieflos-Show“ verwandelte. Rapps ureigenstes Terrain ist das Fernsehstudio, die Liveshow. Zeitweilige finanzielle Engpässe zwangen ihn dazu, sich keinesfalls rar zu machen. Er moderierte auch abseits des TV, landauf, landab.

Sein Bart, halb Maske, halb Markenzeichen ist typisch für Rapp. Ein Bart, der irgendwie zu keiner Zeit modisch war, aber von so unerschütterlicher Erscheinung wie die selbstbewusste Person, die ihn trägt. Einmal, für die längst verschwundene Show „Wer A sagt“ rasierte er ihn ab. Er war kaum zu erkennen, der Entsetzensschrei „Da Rapp hot kan Bort!“ muss tausendfach durch die Wohnzimmer gegellt sein. Er selbst erwähnte die Rasur während der Sendung mit keinem Wort. Beleg dafür, wie souverän er mit sich als Marke umging.

Dass er sich auf seine Shows irgendwann gar nicht mehr vorbereiten musste, dass ihn die Erfahrung quasi unangreifbar machte, wurde zum Image, das Rapp gern selbst pflegt. Dass ihm sein Humor zuweilen entglitt und er Gäste mit Herablassung strafte, blieb der Makel in der Karriere eines österreichischen Phänomens: Spöttisch und abgeklärt, menschenfreundlich und ironisch, intelligent, aber keinesfalls intellektuell ist Peter Rapp eine charmante Mischung aus Schmähführer, Schlawiner und Schwiegermutter-Schwarm, wie ihn nur dieses Land hervorbringen kann. Aber vielleicht behauptet man das ja in jedem Land von Leuten seines Schlags.

Nach vielen Hochs und Tiefs hat er den 75-er erreicht. Ein Fernsehen ohne ihn mag man sich nicht vorstellen, denn sein Verschwinden führte uns unsere eigene Vergänglichkeit vor Augen. Viel mehr kann man als Showmaster nicht erreichen.