Vier Arbeiter stürzten mit Dachlawine ab: Ein Toter

Mann befreite sein Auto von der Schneelast in Obertauern Bild: BARBARA GINDL (APA)

Im Bundesland Salzburg hat sich die Lawinengefahr wieder zugespitzt. Im Flachgau ist am Montagvormittag bei einem Unfall mit einer Dachlawine ein 47-Jähriger ums Leben gekommen.

Mehrere Lawinen gingen bereits in der Nacht ab, eine am Montagvormittag endete fatal: Im Flachgau ist  bei einem Unfall mit einer Dachlawine ein 47-Jähriger ums Leben gekommen. Vier Mitarbeiter einer Salzburger Firma waren in Faistenau mit dem Abschaufeln eines Daches beschäftigt, als sich der Schnee plötzlich löste und alle vier rund sechs Meter in die Tiefe riss.

Zwei Arbeiter wurden nach dem Sturz vom Dach offenbar zur Gänze verschüttet, die beiden anderen zum Teil. Die Männer waren ersten Angaben zufolge ungesichert. Zeugen begannen sofort, die Opfer auszugraben. Für den 47-Jährigen sei aber jede Hilfe zu spät gekommen, der Mann sei verstorben, sagte der Polizeisprecher.

Zwei weitere Arbeiter im Alter von 26 und 28 Jahren wurden verletzt, wie schwer war vorerst nicht bekannt. Ein 38-Jähriger überstand den Unfall offenbar unverletzt. Weitere Ermittlungen über den genauen Hergang müssten erst geführt werden, so der Sprecher.

Auch in Obertauern donnerte eine Lawine bis zum Seekarhaus, in Hintermuhr ging eine Lawine auf eine Gemeindestraße und eine Hofzufahrt ab, sagte Markus Kurcz, der Einsatzleiter des Landes Salzburg. Laut Katastrophenreferent Norbert Altenhofer wurde auch aus Hintersee im Flachgau eine Lawine gemeldet, die ein Ausmaß von etwa 100 Metern Breite und drei bis vier Metern Höhe erreichte und auch Bäume und Sträucher mitriss.

In Oberösterreich hat am Montag in den Bergen weiterhin Lawinenwarnstufe vier gegolten. Es wurde erwartet, dass die Situation angespannt bleibt und die Gefahr erst in einigen Tagen zurückgeht. Mehr dazu lesen Sie hier.

Sturm fegte mit 160 km/h über Salzburg

Noch völlig unklar war am Montagvormittag, welche Schäden der Sturm in der Nacht angerichtet hat. Dieser fegte mit bis zu 160 km/h bei der Rudolfshütte über das Land. Dieses Ausmaß habe man eigentlich nicht erwartet, so Kurcz. Es habe sich aber als richtig herausgestellt, Ende voriger Woche, als sich die Lage kurzfristig entspannte, beim hochrangigen Straßennetz alle problematischen Situationen zu entschärfen, deshalb funktioniere diese auch heute. 

Sechs Gemeinden nicht erreichbar

Sechs Gemeinden waren Montagfrüh nicht erreichbar. Betroffen war das untere Saalachtal im Pinzgau mit den Gemeinden Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach, dazu blieb auch Rauris weiter abgeschnitten, wo alleine etwa 3.000 Einwohner und 2.000 Urlauber festsaßen. Außerdem mussten am Sonntagabend auch die Straßen nach Obertauern wieder gesperrt werden, weshalb in Summe etwa 17.000 Menschen betroffen waren. “Sie alle sind medizinisch versorgt und wohlauf”, so Kurcz.

Wegen einer Lawinensprengung wird die Tauernautobahn (A10) bei Flachauwinkl im Salzburger Pongau am Montag von 13.00 bis 14. 00 Uhr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Wie die Asfinag mitteilte, wird der Verkehr Richtung Salzburg bei der Raststation Lungau angehalten, in Fahrtrichtung Villach bei der Einhausung Flachau.

Welche Straßen in Oberösterreich aktuell gesperrt sind, erfahren Sie hier.

Video: ORF-Reporter Andreas Heyer über die angespannte Situation in Rauris

Lawinengefahr um den Hochkönig “sehr groß”

Wegen des erneut sehr ergiebigen Schneefalls und starker Verfrachtungen wurde für Teile des Landes die Lawinengefahr wieder auf die höchste Stufe “sehr groß” hinaufgestuft. Betroffen waren die Hohen Tauern vom Fuschertal westwärts und das Gebiet rund um den Hochkönig. Hier könnten Staublawinen aus Lagen oberhalb von 2.500 Metern extreme Ausmaße erreichen. In mittleren und tieferen Lagen, vor allem unterhalb von 1.500 Metern, bestand vor allem die Gefahr von Gleitschnee-Abgängen.

Vor Touren oder Variantenfahrten im freien Gelände wurde dringend abgeraten. Die Verhältnisse waren ausgesprochen heikel, neben der Gefahr durch Spontanlawinen konnte der frische Triebschnee im Steilgelände schon bei geringer Zusatzbelastung losgetreten werden.

Schüler und Lehrer von mehr als 30 Schulen im Bundesland durften am Montag einen freien Tag einlegen, weil die Schulen zur Sicherheit geschlossen blieben.

Warnstufe 5 in Tirol ausgeweitet

Auch in Tirol haben die anhaltenden Schneefälle am Montag dazu geführt, dass außer für den Westen des Landes auch für andere Regionen Lawinenwarnstufe 5, also sehr große Lawinengefahr, ausgewiesen wurde. Betroffen war auch die Landeshauptstadt Innsbruck, nämlich im Bereich des Karwendels. Dort sei mehr Schnee als erwartet gefallen, hieß es seitens des Lawinenwarndienstes.

Video: Am Montag wird in ganz Österreich die Lawinengefahr ihren Höhepunkt erreichen – das sagt jedenfalls Rudi Mair, Leiter des Lawinen-Warn-Dienstes in Tirol.

Sehr große Lawinengefahr herrschte nunmehr zudem auch in der Venedigergruppe in Osttirol sowie in den Nördlichen Zillertaler Alpen. Seit Sonntag fielen verbreitet 60 bis 100 Zentimeter Schnee, lokal auch mehr. Bis in die Nacht sollen lokal noch mal 50 Zentimeter hinzukommen.

An steilen Grashängen seien unterhalb von rund 2.400 Metern vermehrt mittlere bis große Gleitschneelawinen zu erwarten, mit dem Regen unterhalb von rund 1.500 Metern vermehrt Gleitschneelawinen und nasse Rutsche. “Vorsorgliche Sperrungen von Verkehrswegen sind nötig. Sperrungen müssen beachtet und Sicherheitsanweisungen der Behörden befolgt werden”, appellierte der Lawinenwarndienst an die Bevölkerung.

Wegen der sehr großen Lawinengefahr mussten auch in Vorarlberg zahlreiche Ortschaften gesperrt werden. Betroffen waren etwa die Arlberg-Gemeinden Lech, Zürs und Stuben sowie die Orte im Großen Walsertal. Wegen der anhaltenden Niederschläge war nicht mit einer raschen Aufhebung der Sperren zu rechnen. Nach dem Lawinenabgang in Lech am Sonntag, bei dem drei Tote geborgen wurden, wird weiterhin ein Tourengeher vermisst. Mehr dazu lesen Sie hier.

ÖBB-Arlbergstrecke gesperrt

Lokale Neuschneemengen von bis zu einem Meter haben in der Nacht auf Montag die Lawinensituation deutlich verschärft, in Vorarlberg herrschte am Montag oberhalb von 1.500 Meter in weiten Teilen des Landes die höchste Lawinenwarnstufe 5. Aufgrund von akuter Lawinengefahr mussten wie in der Vorwoche die Arlbergstraße (L197), die Bregenzerwaldstraße (L200) und neu auch die Faschinastraße (L193) sowie viele weitere Verbindungen abschnittweise gesperrt werden. 

Ebenfalls wegen Lawinengefahr gesperrt wurde die Arlbergbahnstrecke zwischen Bludenz und Landeck. Es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, laut ÖBB musste aber mit einem Zeitverlust von bis zu zwei Stunden gerechnet werden.

60 Zentimeter Neuschnee in 24 Stunden

Von Sonntag bis Montagfrüh hat es an der Nordseite der Alpen innerhalb von 24 Stunden verbreitet wieder zwischen 20 und 60 Zentimeter Neuschnee gegeben. Zeitweise regnete es auch bis in höhere Lagen, informierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Besonders auf den höheren Bergen von Vorarlberg und Tirol gab es stellenweise sogar zwischen 80 und 100 Zentimeter Schneefall.

Bis Dienstagvormittag erwartet die ZAMG an der Nordseite der Alpen nochmals verbreitet 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee. Ganz im Westen, wie am Arlberg, dürften rund 50 Zentimeter Schneehöhe hinzukommen, im Bereich der Hohen Tauern 60 bis 70 Zentimeter. Zum Nachmittag hin klingen Schneefall und Regen am Dienstag ab und die Wolken können auflockern. Der Wind ist besonders auf den Bergen anfangs noch kräftig bis stürmisch und wird zum Abend hin schwächer.

Am Mittwoch und Donnerstag scheint zumindest zeitweise die Sonne und es schneit oder regnet wenig bis gar nicht. Der Freitag sieht aus momentaner Sicht etwas wechselhafter aus, bringt aber keine größeren Neuschneemengen.

Video: Überblick über die aktuelle Lawinensituation in den Bundesländern

“Intensivster Einsatz seit Tschernobyl”

Nach zehn Tagen und zehn Nächten hat der steirische Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) vom “intensivsten Einsatz seit Tschernobyl” und einem Jahrhundert-Schneeereignis gesprochen. Bisher sei alles ohne gröbere Unfälle gelaufen. Montagfrüh waren in der Steiermark allerdings immer noch 576 Menschen von Schneemassen in ihren Ortschaften eingeschlossen.

Die Wetterlage sollte sich am Mittwoch bessern, schilderte Meteorologe Alexander Podesser in der Landeswarnzentrale. Seit Samstag waren in den höheren Lagen rund 100 Zentimeter Neuschnee dazugekommen, in tieferen Lagen hat es geregnet. Hinzu komme nun starker Wind – bis zu 140 km/h in den Bergen – sowie wärmeres Wetter. Das mache die Lawinengefahr noch kritischer, warnte er. Er beurteilte die Schneesituation für Jänner jedenfalls als außergewöhnlich und sprach von einem “100-jährigen Jänner-Schneeereignis”. Schickhofer hoffte, dass der für die Helfer fordernde Einsatz am Freitag beendet werden kann.