Mit Dachlawine in Faistenau abgestürzt: 47-Jähriger starb

In Faistenau wurde am Montagvormittag ein Mann von einer Dachlawine verschüttet, in der Nacht auf Montag erreichte eine Staublawine in Obertauern das Seekarhaus. Eine Entspannung der extremen Wettersituation ist in Sicht.

In der Flachgauer Gemeinde Faistenau sind am Montagvormittag vier Arbeiter mit einer Dachlawine sechs Meter abgestürzt. Laut Polizei waren die Handwerker damit beschäftigt, Schnee vom Dach eines Einfamilienhauses zu räumen. Ein 47-Jähriger wurde vollkommen verschüttet. Reanimationsversuche waren vergeblich, der Mann starb. Ein 26-Jähriger und ein 28-Jähriger wurden verletzt und ins Unfallkrankenhaus nach Salzburg gebracht. Ein 38-Jähriger überstand den Absturz unverletzt.

Zeugen und Anrainer hatten sofort nach den Verschütteten zu graben begonnen. Das Rote Kreuz war mit einem Notarzthubschrauber und einem Notarztwagen vor Ort. Auch die Freiwillige Feuerwehr Faistenau rückte an. “Wir waren bereits mit zwei Fahrzeugen im Ortsgebiet unterwegs wegen umgestürzter Bäume”, sagte Einsatzleiter Helmut Schöpp. 20 Mann waren im Einsatz.

Die Männer dürften während der Arbeiten nicht gesichert gewesen sein. Die Polizei ermittelt derzeit den Unfallhergang.

In Obertauern erreichte Staublawine Seekarhaus

Schrecksekunden für zwei Urlauber aus Graz: Ein Fensterflügel ihres Hotelzimmers im Skigebiet Obertauern wurde durch den Druck einer Staublawine aufgedrückt. Schnee drang in das Zimmer ein. Verletzt wurde bei dem Vorfall lauf Polizei aber niemand.

Die Lawine ist laut Alexandra Krings vom Hotel Seekarhaus in der Nacht auf Montag gegen zwei Uhr früh über einen seit mehreren Tagen gesperrten Steilhang auf der Rückseite ihres Hotels abgegangen. Der Schnee blieb auf dem ebenen Pistenbereich hinter dem Gebäude liegen. Durch den Druck der Lawine öffnete sich einer der beiden Fensterflügel. Bei den Fenstern handle es sich um spezielle Fenster, die einen von der Behörde vorgeschriebenen Druck aushalten müssen. Die Polizei wurde am Montagvormittag von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt.

Schneizlreuth: Lawine ging auf B 305 ab

Bei den bayerischen Nachbarn in Schneizlreuth ging am späten Sonntagabend eine Lawine auf die B 305 ab. Zwei Lawinenhunde suchten die Schneemassen ab. Die Bergwacht sondierte mit Sonden. Wenig später stand fest: Beim Lawinenabgang im benachbarten Bayern zwischen Weißbach an der Alpenstraße und Zwing bei Inzell waren keine Menschen zu Schaden gekommen. Die B 305 wird vermutlich am Nachmittag wieder befahrbar sein.

Video: Nach Unwetternacht schön langsam Entspannung der Situation

Sturmböen mit bis zu 160 km/h auf der Rudolfshütte, 118 km/h in Obertauern und 80 km/h am Flughafen Salzburg: Die Nacht verlief in Salzburg stürmisch. Mehrere Lawinen gingen ab, nach aktuellem Stand wurden keine Menschen verletzt. Am Montag ebbt der Wind ab, auch die Schneefälle werden laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) weniger. Wo es regnet, soll es im Lauf des Tags zu schneien beginnen. Am meisten Niederschlag fällt im Pinzgau und Tennengau, also in jenen Regionen, die schon jetzt besonders unter der Schneelast leiden. Die Temperaturen fallen auf bis zu -4 Grad. Mit einer Entspannung der Situation sei zu rechnen. Allerdings bleibe die Lawinengefahr hoch, von Touren in freiem Gelände raten die Experten dringend ab, ebenso von Fahrten neben der gesicherten Piste.

32 Schulen haben zu Wochenbeginn ganz geschlossen. Vier Salzburger Schulen haben am Montag Notbetrieb, drei haben keinen Unterricht, bieten aber Betreuung an.

Weitere Lawinensprengung auf A10

Zur Verkehrslage: “Hotspot” war Montag früh die A10. Zwischen dem Tauerntunnel und Zederhaus bleiben immer wieder Lkw hängen. Ohne Ketten geht es dort nicht. Es kommt auch niemand an den Lkw vorbei, Pkw müssen warten. Wegen einer Lawinensprengung wird die Tauernautobahn bei Flachauwinkl am Montag von 13 bis 14 Uhr in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Wie die Asfinag mitteilte, wird der Verkehr Richtung Salzburg bei der Raststation Lungau angehalten, in Fahrtrichtung Villach bei der Einhausung Flachau.

Weiterhin von der Außenwelt abgeschnitten

Unken, Lofer, St. Martin und Weißbach sowie Rauris und Obertauern sind nach wie vor auf dem Straßenweg nicht zu erreichen. Von 17.000 Eingeschlossenen war die Rede. Die medizinische Versorgung in diesen Orten sei sichergestellt, hieß es Montagvormittag seitens des Einsatzstabs des Landes.

Hubschrauber-Landeplätze wurden demnach in diesen Gemeinden eingerichtet, um im Notfall Personen ein- oder ausfliegen zu können.

Für die Landung der Hubschrauber muss die freie Fläche nach Information der Landeskorrespondenz mindestens 50 mal 50 Meter groß sein: In jedem Bezirk sind dafür geeignete Felder vordefiniert, jetzt ging es darum, diese in den betroffenen Gemeinden schneefrei zu bekommen. Lediglich in Obertauern war das nicht notwendig, da hier ein ständiger Landeplatz eingerichtet ist.

Infos zur aktuellen Verkehrssituation finden Sie hier.

Extremwetter fordert Einsatzkräfte

Im Flachgau ist in der Nacht auf Montag etwa in Seekirchen ein Carport eingestürzt; mehrere Keller mussten aufgrund des Starkregens ausgepumpt werden. Zahlreiche Windwürfe sind nun zu befürchten. Mit Schneelast kann ein Baum bereits bei Böen mit 40 oder 50 km/h umstürzen.

In der Stadt Salzburg bleiben alle öffentlichen Grünanlagen, Stadtwälder, Parks und Friedhöfe wegen des Schneedrucks auf den Bäumen aus Sicherheitsgründen bis auf Widerruf gesperrt. Es besteht die Gefahr von herabfallenden Ästen und umstürzenden Bäumen. Auf einigen Friedhöfen haben bereits Äste dem Druck nachgegeben und sind herabgefallen.

Spontane Lawinenabgänge jederzeit möglich

Aufgrund der Niederschläge ist die Gefahr von Lawinen nach wie vor sehr groß. Spontane, große Abgänge sind jederzeit möglich. Es herrscht Lawinenwarnstufe 5 in den Hohen Tauern und in den übrigen Gebieten Stufe 4. Das berichtet das Land Salzburg Montag früh in einer Aussendung.

230 Haushalte in Salzburg sind noch ohne Strom

In Salzburg sind derzeit 230 Kunden ohne Strom. Im Tennengau sind Adnet-Formau, Bad Vigaun (Rengerberg/Spumberg-Zillreith) und St. Koloman betroffen, in der Stadt Salzburg Gebiete in Aigen (Stockerweg, Judenberg), im Pinzgau Leogang-Schwarzleo und Viehhofen-Hecherhütte, im Pongau Mühlbach-Elmau, Filzmoos-Oberhofalm/Oberzauchensee/Schwarzwandbahn
sowie im Flachgau Anzenberg und Fuschl-Musch. Die Mitarbeiter der Salzburg Netz GmbH arbeiten unverändert mit bis zu 230 Technikern am Netzwiederaufbau der verbleibenden Haushalte. Aufgrund der angespannten Wettersituation werden alle Störungs- und Notfalleinsätze im Gelände unter erhöhter Rücksichtnahme der Witterungssituation durchgeführt.

Lage in Tirol “unter Kontrolle”

Die Situation in Folge der anhaltenden Schneefälle in Tirol hat sich in der Nacht auf Montag kaum verändert. Die Lage sei “weiterhin unter Kontrolle und im Griff”, teilte das Land mit. Etliche Orte waren nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten, Straßen blieben aus Sicherheitsgründen gesperrt, darunter seit knapp vor Mitternacht laut Medienberichten erneut die Felbertauernstraße in Osttirol.

Bahn rechnet auch am Montag mit Einschränkungen

Auch am Montag rechnete die Bahn mit Einschränkungen. Zwischen Saalfelden und Hochfilzen, Bischofshofen und Stainach-Irdning und am Pass Lueg auf der Salzburg-Tiroler-Bahn war am Sonntag kein Zugverkehr möglich. Die ÖBB haben einen Schienenersatzverkehr eingerichtet, der aufgrund der Sperre der parallel zur Bahnstrecke am Pass Lueg verlaufenden Salzachtalstraße sowie weiterer Streckensperren u.a. im Ennstal eine große Herausforderung darstellte.

Für Auskünfte zu den Reisezeiten können Reisende sich unter der Telefonnummer 05-1717 informieren.

Quelle: SN