Hirscher fährt befreit drauflos

Mit zwei Siegen (Slalom in Levi, RTL in Val d’Isere) und Platz zwei im Riesentorlauf von Beaver Creek gelang Hirscher ein nahezu perfekter Start in die WM-Saison. Neun Jahre nach seinem Premierensieg in Val d’Isere packte er an selber Stelle den 60. drauf. Der schon siebenfache Weltcup-Gesamtsieger nimmt seine achte Große Kristallkugel ins Visier.

Und so nahm sich Hirscher in Val d’Isere zumindest kurz Zeit, um über seine Karriere nachzudenken. „Ich war nie wirklich krank, nie verletzt, nie ausgefallen. Ich habe jedes Rennen fahren können, das ich wollte. Das ist, glaube ich, schon richtig viel Grund zum Dankesagen.“ Die Vorhersage seiner Anzahl an Weltcup-Siegen hätte Hirscher zum Beginn seiner Karriere als „völlig verrückt“ abgetan. „Das wäre ein Wahnsinn, wenn man von so etwas ausgehen könnte.“

„Derzeit ist er kaum zu schlagen“

Da verneigte sich auch ÖSV-Rennsportleiter Andreas Puelacher vor Hirscher. „Marcel ist einfach das Maß der Dinge im Riesentorlauf. Vor allem, wenn die Bedingungen so sind, wenn es richtig schwer und anspruchsvoll ist, dann ist er derzeit vermutlich kaum zu schlagen.“

Dabei war Hirschers Erwartungshaltung zu Saisonbeginn wegen der veränderten Familienverhältnisse (Heirat seiner Lebensgefährtin Laura Moisl und Geburt des ersten gemeinsamen Kindes) eher gering. Trotzdem fährt er der Konkurrenz wieder um die Ohren. „Er ist ein Profi. Wenn Marcel am Start steht, wird er zum Renntiger. Holt alles raus, was zum Rausholen ist. In der Form ist er ganz, ganz schwer zu besiegen“, meinte Puelacher.

Ohne Druck geht alles leichter

Hirscher selbst verspürt ob der vergangenen Erfolge keinen Druck mehr. Das Schöne daran sei, dass er nicht mehr groß herumrechne, sondern einfach richtig angreife, sagte Hirscher nach seinem überlegenen Sieg vor Kristoffersen am Samstag. „Das macht locker. Es gibt keinen Grund für Nervosität“, sagte der Salzburger, der auch im Slalom am Sonntag der große Gejagte ist.

Hirscher feiert 60. Weltcup-Sieg

Im Riesentorlauf von Val d’Isere hat Marcel Hirscher seinen 60. Sieg im Skiweltcup eingefahren. Am selben Ort gewann der Skistar vor neun Jahren sein erstes Rennen.

„Aber Skifahren ist sicher nicht mehr das Wichtigste für mich. Ich habe alles erreichen dürfen, was ich mir jemals erträumt habe in dem Sport. Alles, was dazukommt, ist wahnsinnig toll. Aber wenn es einmal nicht mehr so sein sollte, dann kann man es auch nicht ändern. Der Wille ist da, aber nicht mehr der Zwang“, so Hirscher, der damit rechnet, dass Kristoffersen im Verlauf der Saison ein schwierig zu schlagender Gegner werden wird.

Kristoffersen in der Warteschleife

„Henrik ist brutal bei der ganzen Geschichte dabei. Ihm gehört sicher die Zukunft. Er ist ein begnadeter Skifahrer, das ist nur eine Frage der Zeit.“ Der Norweger war ob des verpatzten ersten Laufs mit Platz zwei im Riesentorlauf zufrieden. „Nach dem ersten Durchgang war es mit dem Sieg vorbei. Diesmal war Marcel besser, er ist im Moment der beste Skifahrer der Welt.“ Er frage sich, ob der Zuschauer daheim wirklich wisse, wie stark Marcel sei. „Es ist ganz unglaublich. Ich probiere alles, was ich kann.“

Dieser Fight werde sich im Slalom fortsetzen. Die Vorzeichen sagen allerdings nochmals schwierigere Bedingungen voraus. „Mit taugt es extrem, wie es jetzt gerade schneit, weil ich ein schneebegeisterter Mensch bin“, so Hirscher über den Dauerschneefall in Val d’Isere. „Aber wenn ich mir vorstelle, dass es in der Nacht achtzig Zentimeter schneit, dann wird das sicher spannend. Ich hoffe, dass es ein Rennen gibt. Aber es soll fair sein und nicht gefährlich werden.“