Die ZSC Lions sind gegen Genf/Servette willig, aber fehlerhaft und harmlos – 0:2

Die ZSC Lions haben ihr Ziel, die Nationalmannschaftspause über dem Trennstrich zu verbringen, nicht erreicht. Sie verloren gegen Genf/Servette trotz viel Aufwand 0:2, weil sie hinten zu fehleranfällig und vorne zu harmlos waren gegen ein Servette, bei welchem nur zwei von sieben Ausländern einsatzfähig waren. Das Zürcher Leiden geht nach kurzem Unterbruch also weiter.

Vor langer Zeit, da definierte sich der Zürcher SC und sein Anhang noch über das Leiden. Man stieg ab, man stieg auf. Und wieder ab. Die Fans waren rau wie ihr Leben auf der Baustelle, und der ZSC bot die ideale Identifikation dafür. Jedes Spiel war ein Ereignis in sich — es zählte nur der Moment, man jubelte, fluchte, und manchmal prügelte man sich im Anschluss an den Match mit den gegnerischen Fans beim Bahnhof Oerlikon. Dann kam 1997 die Fusion mit dem Grasshopper Club und der ehemalige Arbeiterverein wandelte sich innert wenigen Jahren zum Musterunternehmen mit einem umsichtigen Mäzen und vorbildlicher Juniorenausbildung.

2018, sechs Meistertitel später, leidet man im Hallenstadion nicht mehr so gerne mit, schon gar nicht in der Qualifikation. Eher leidet man an der Mannschaft, wenn sie wie in den vergangenen Wochen hilflos herumdümpelt. So richtig laute, emotionale Stimmung wie sie früher normal war, herrscht mittlerweile höchstens noch in einem entscheidenden Play-off-Spiel.

Über 7700 Saisonkarten haben die Lions im Sommer abgesetzt, auch dank der eindrücklichen Play-off-Kampagne im Frühling. Heutzutage wollen die Fans als Konsumenten unterhalten werden, sie wollen schöne Tore sehen, Tricks und Checks und nicht ein Geknorze wie letzten Herbst und heuer schon wieder. Wut kann im Hallenstadion noch immer aufflackern, nur richtet sie sich nun eher gegen das eigene Team von dem man zu Recht mehr erwartet.

Die Partie gegen Genf/Servette war diesbezüglich exemplarisch. 0:2 stand es im Mittelabschnitt und die Lions drückten auf das Servette-Tor, doch sie suchten im Abschluss stets die komplizierte Lösung und spielten doch noch den Pass zu viel. Wurde die Scheibe gar verloren, prasselte der Unmut von den Rängen auf die Spieler nieder. Die letzten beiden Partien gegen Freiburg und Langnau haben die Zürcher nach zuvor drei Niederlagen de Suite zwar gewonnen, doch offensichtlich hat dies ihr angeschlagenes Selbstvertrauen noch nicht wiederherstellen können. Ohne an sich selbst zu glauben, wird der Puck allzu gerne dem Nebenmann zugeschoben.

Punkto Einsatzbereitschaft gab es nichts zu kritisieren, das Heimteam war engagiert und willig, doch die Fehlerquote blieb zu hoch, vorab vor dem eigenen Tor. Vor John Fritsches 1:0 für die Genfer verloren Frederik Pettersson und Maxim Noreau den Puck in der eigenen Zone. Das 2:0 war ein Überzahl-Solo von Tanner Richard. Nach der 1:7-Demütigung vom Vortag in Lausanne, waren die Genfer mit der Wut im Bauch angereist und brillierten durch Effizienz und hartnäckige Defensive. Das reichte, um die Lions in der Tabelle wieder zu überholen. Für das Heimteam hatten die Zuschauer am Ende nur Pfiffe übrig.