«Wir sehen eine grosse Zukunft für den Skisport»

Die österreichische Schröcksnadel-Gruppe rettet die maroden Saastal Bergbahnen mit Millionen. Investor Markus Schröcksnadel verrät seine Pläne für das Walliser Skigebiet.

Die Saastal Bergbahnen sind ein Sanierungsfall. Nun springen Sie mit 12 Millionen Franken ein. Weshalb?

Wir erachten den Zeitpunkt als günstig, und uns gefällt Saas-Fee sehr gut. Der Schweizer Tourismus hat wegen der Währungssituation eine schwierige Zeit hinter sich. Wir glauben, es geht nun wieder aufwärts. Es sieht sogar bereits besser aus. Die Schweiz ist nicht mehr unbedingt teurer als Österreich.

In Saas-Fee gibt es das Saisonabo für 255 Franken. Die Aktion ist in der Branche umstritten. Was sagen Sie?

Man kann mit einem so tiefen Preis über eine längere Dauer nicht arbeiten. Als Marketinginstrument sind solche Aktionen ab und zu jedoch ganz vernünftig.  Wir müssen nun erst die Zahlen dazu analysieren und schauen, wie wir das Ganze weiterentwickeln. Ob es nächstes Jahr wieder eine Saisonkarte für 255 Franken gibt, können wir im Moment nicht sagen. Sicher ist, die Aktion hat medial viel gebracht. Es kamen wieder mehr Leute ins Saastal. Man muss aber schon schauen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Zwei Väter der Tiefpreisstrategie, der Bergbahnen-Chef und der Tourismusdirektor, haben Saas-Fee vor kurzem verlassen. Pirmin Zurbriggen gab das Verwaltungsratspräsidium der Saastal Bergbahnen ab. Gab es Streit?

Nein, wir hatten keine Auseinandersetzungen. Es ist vielmehr so, dass halt mit neuen Eigentümern auch Verwaltungsrat und Geschäftsführung ausgewechselt werden.

Andere Skigebiete setzen auf dynamische Preise, wie man das beim Flugverkehr kennt. Was halten Sie davon?

Ich bin eher skeptisch, ob sich ein dynamisches Preismodell auch für unsere Branche eignet. Wir werden aber beobachten, welche Erfahrung andere Skigebiete damit machen.

Die Wintersport-Konkurrenz im Wallis ist gross. Wie positionieren Sie Saas-Fee etwa neben Zermatt?

Es ist wichtig, dass man als Skigebiet seinen Markt findet. Der ist hier in Saas-Fee anders als in Zermatt. Wir setzen stark auf Tiefschneefahren, Gletschererlebnis oder Funparks. Das entwickeln wir weiter. Ich sehe die Konkurrenzsituation nicht als ein Problem. Zermatt hat halt das Matterhorn. Klar kommen viele Gäste deswegen, aber längst nicht alle fahren auch Ski. Viele wollen nur den Berg sehen und was essen und trinken. Bei uns steht da vielleicht der reine Skisport mehr im Vordergrund.

Warum soll sich Saas-Fee für Ihr Unternehmen lohnen?

Wenn sich der Wintersport in der Schweiz wie von uns erwartet erholt, geht es darum, dass wir selber richtig investieren. Dabei zählen wir auf unsere langjährige Erfahrung, um das Optimale für Saas-Fee zu bewirken. Wenn uns das gelingt, wird sich auch unser Investment lohnen.

Anderswo investieren Bergbahnen in Restaurants, Hotels und führen gar eigene Geschäfte. Haben Sie ähnliche Pläne im Saastal?

Nein, solche Pläne haben wir nicht. Hier in den Alpen ist der Tourismus historisch gewachsen. Es gibt viele Unternehmer und nicht nur einen Anbieter, der alles abdeckt. Als Bergbahnbetreiber sind wir ein Teil des Ganzen. Die Gastronomie und die Beherbergung müssen die machen, die darauf spezialisiert sind.

Was wollen Sie in Saas-Fee ändern?

Als Erstes investieren wir in die Beschneiungsanlagen. Saas-Fee ist das schneesicherste Skigebiet der Alpen. Das ist unser grösster Wert. Diesen Ruf müssen wir behalten. Deshalb wollen wir für den unteren Bereich des Skigebiets und die Talabfahrten die Schneeanlagen stark ausbauen.

Bis wann rechnen Sie mit der Umsetzung, und was kostet das?

Das hängt von den Verhandlungen mit den Behörden ab. Es gibt noch einige Fragen zu klären, auch was den Naturschutz betrifft. Unser Ziel ist es, die Schneeanlagen innert kürzester Zeit auszubauen. Wir schätzen die Kosten auf zwischen 4 und 7 Millionen Franken.

Gibt es auch neue Skilifte?

Wir investieren nur dort in Bergbahnen, wo es notwendig ist. Es macht keinen Sinn, einen neuen Lift zu bauen, wenn die alte Verbindung noch okay ist. Viel wichtiger ist es, den Komfort zu verbessern. Ein Beispiel: Wenn Sie bei uns bei 2800 Meter aus der Bahn steigen, müssen sie etwa 300 Meter zur nächsten Bahn laufen. Das ist nicht zeitgemäss. Familien mit Kindern und Leute aus Holland oder sonst irgendwo im Flachland, die kriegen einen Schweissausbruch, bevor sie auf den Ski stehen. Es braucht deshalb ein Förderband. Das kostet nicht die Welt, aber es macht das Ganze angenehmer. An einigen Orten braucht es auch Rolltreppen. Saas-Fee wird so auch attraktiver für Fussgänger, die nur mal rauffahren und Mittagessen wollen.

Profitiert Saas-Fee auch von Synergien der Schröcksnadel-Gruppe?

Ja, es gibt gewaltige Synergien – im Einkauf, beim Management, im Unterhalt. Die Saastal Bergbahnen sparen bereits viel Geld ein, weil wir neu gemeinsam Pistengeräte, Anlagen oder Ersatzteile einkaufen. Auch der Wissensaustausch im Marketing oder der Gastronomie ist gross.

Was kann Saas-Fee von Österreich lernen?

In Österreich bearbeiten wir viel stärker die Märkte in Osteuropa. Da besteht ein Riesenpotenzial. Schauen Sie nur mal Polen an. Das Land hat 4 Millionen Skifahrer, aber fast keine Skigebiete. Es gibt viele wohlhabende Polen, die gerne hierherkommen würden, aber sie kennen Saas-Fee noch gar nicht. Von den 300 Millionen Chinesen, die bald Ski fahren werden, reden wir noch gar nicht. Wir sehen eine grosse Zukunft für den Skisport.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 07.12.2018, 22:46 Uhr