Proteste in Paris: Tausende Polizisten rüsten sich für das Schlimmste

Mehrere Hundert Demonstranten in gelben Westen haben sich Samstagfrüh auf der Pariser Prachtstraße Champs-Elysees versammelt. In der gesamten Stadt waren zahlreiche “Gelbwesten” unterwegs. In Frankreich wird am Samstag mit schweren Ausschreitungen bei den Protesten der “Gelbwesten” gerechnet, insbesondere in der Hauptstadt. Ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften war im Einsatz.

Die Regierung hat landesweit 89.000 Sicherheitskräfte mobilisiert, in Paris sind es 8.000. Die Polizei kontrollierte Taschen und Rucksäcke von Passanten. Etliche Geschäfte im Zentrum der Stadt waren aus Furcht vor Chaos und Plünderungen nicht geöffnet, viele von ihnen hatten ihre Schaufenster verbarrikadiert. Pariser Touristen-Attraktionen wie Eiffelturm und Louvre bleiben geschlossen. Zudem bleiben 36 Stationen der U-Bahn und der Vorortbahnen RER geschlossen. Rund 50 Buslinien wurden unterbrochen oder umgeleitet.

Bereits vor Beginn der “Gelbwesten”-Proteste sind Samstagfrüh einige Hundert Menschen in der Hauptstadt festgenommen worden. Das bestätigte die Polizei der Deutschen Presse-Agentur. Grund sei in vielen Fällen gewesen, dass die Menschen sich einer Gruppe angeschlossen hätten, die “Gewalt gegen Personen oder die Zerstörung von Gegenständen” vorbereitet habe, hieß es. Es handle sich meist um Verdächtige im Alter von rund 30 Jahren, die aus dem Umland nach Paris gereist seien, sagte eine Quelle, die mit den Fällen vertraut ist, der Nachrichtenagentur AFP. Die Festgenommenen trugen demnach Masken, Steinschleudern, Hämmer und Pflastersteine bei sich.

Frankreichs Regierung befürchtet Ausschreitungen und will mit einem massiven Aufgebot von Sicherheitskräften eine Eskalation verhindern. Am vergangenen Wochenende war es bei Protesten der “Gelben Westen” in Paris zu Krawallen und mehreren Hundert Festnahmen gekommen. Die Protestbewegung fordert unter anderem Steuersenkungen. Ihre Wut richtet sich aber auch gegen Präsident Emmanuel Macron und dessen Reformpolitik. Die Protestbewegung fordert den Rücktritt Macrons sowie allgemeine Steuersenkungen, höhere Pensionen und Löhne. Die bisherigen Zusagen der Regierung reichen den Aktivisten nicht aus. In ganz Frankreich sind am Wochenende Protestaktionen geplant.

Innenminister Christophe Castaner warnte am Freitag vor Gewalttätern und sagte: “Alles lässt darauf schließen, dass radikale Elemente (und) Aufrührer erneut versuchen werden zu handeln.” Die Behörden wollen in Paris erstmals seit Beginn der “Gelbwesten”-Proteste auch gepanzerte Fahrzeuge einsetzen. Bei der Feier zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs mit rund 70 Staats- und Regierungschefs hatte Frankreich Mitte November rund 10.000 Polizisten in der Kapitale eingesetzt.

Eine Untergruppe der “Gelbwesten”, die sich selbst als “Sprachrohr der konstruktiven Wut” sieht, rief am Freitagabend noch zu friedlichen Protesten auf. “Ich denke, wir müssen jetzt vernünftig sein und auf die Worte unseres Präsidenten warten. Er ist es, der den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand hat”, sagte Christophe Chalencon von den “freien Gelben Westen” nach einem Treffen mit Premier Philippe vor Journalisten. Man wolle keine Revolution, sondern eine Evolution der Gesellschaft – und diese müsse in Ruhe vonstattengehen.

Mehr als die Hälfte aller am Wochenende angesetzten Erstliga-Fußballspiele in Frankreich wurden abgesagt. Nach Angaben der Französischen Fußball-Liga (LFP) kann auch die Partie zwischen Olympique Nimes und dem FC Nantes nicht wie geplant am Samstag stattfinden. Zwei Spiele der Handball-Europameisterschaft der Frauen in Nantes wurden vom Samstag auf Sonntag verschoben.

Quelle: Apa/Dpa