Isco und Asensio melden sich zurück

Das Estadio Bernabeu erhob sich. Die Stimmung am späten Donnerstagnachmittag war mehr als ausgelassen. Mit 6:1 fegte Real Madrid unten auf dem Rasen Drittligist UD Melilla aus dem Stadion.

Kein besonderer Anlass zur Freude, würde man meinen. Gerade bei den erfolgsverwöhnten und als launisch geltenden Madridista.

Doch die ausgelassene Stimmung hatte vor allem einen Grund: Die Publikumslieblinge Marco Asensio und Isco wurden endlich wieder von der Leine gelassen – und belohnten die anwesenden Fans für ihr Kommen.

In den letzten Wochen verzichtete Neu-Coach Santiago Solari größtenteils auf die Dienste der beiden formschwachen Spanier, der Erfolg gab ihm Recht.

Seit dem Amtsantritt des Argentiniers vor dem Hinspiel gegen Melilla gewann der spanische Rekordmeister sieben von acht Partien, lediglich die 0:3-Klatsche in Eibar trübt das Gesamtbild.

Sündenböcke statt Hoffnungsträger

In den spanischen Medien häuften sich folgerichtig die Meldungen über unzufriedene Hoffnungsträger. Dabei sollten sie es doch sein, die den Abgang von Cristiano Ronaldo vergessen machen und eine neue Ära in Madrid prägen.

Doch ohne ihren großen Offensiv-Anführer schien der Druck die beiden guten Freunde zuletzt zu hemmen. Lief es zu Saisonbeginn unter Ex-Coach Julen Lopetegui noch rund, wurden insbesondere die beiden Spanier für den enormen Leistungsabfall vor der Trainer-Entlassung verantwortlich gemacht.

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Wechselgerüchte machten die Runde, beinahe tägliche Meldungen über Iscos Fitnesszustand, auch Marco Asensio gab öffentlich kein gutes Bild ab.

Laut neuesten Meldungen des Transferexperten Tancredi Palmeri soll der FC Bayern ernsthaftes Interesse an Isco bekundet haben. Ein Abgang scheint nicht mehr ausgeschlossen, sollte sich seine Situation nicht verändern.

Nun, da die Ergebnisse wieder stimmen, gönnt Trainer Solari den beiden jedoch wieder vermehrt Einsatzzeit. In der Copa del Rey durften nun beide endlich wieder von Beginn an ran – und scheinen die Lust am Fußballspielen nicht verloren zu haben.

Isco: Ewiges Talent oder Fixpunkt?

Vorhang auf: Ein kurzer Kontakt mit dem Außenrist, ein Blick Richtung Tor, dann jagt Isco das Spielgerät aus dem Stand ansatzlos Richtung gegnerisches Gehäuse. Und im nächsten Moment schlägt das Spielgerät auch schon im Winkel ein. Was für eine Flugkurve. Was für ein Tor!

Da ist er – der Isco Alarcon, in den sich das Bernabeu im Laufe der Jahre verliebt hat. Der aber nicht immer von all seinen Trainer geliebt wird. Der immer wieder Leistungsdellen aufweist. Das Spiel teilweise verschleppt und zuweilen die nötige Effizienz vermissen lässt.

Über den Status eines Talents ist der offensive Mittelfeldspieler mit seinen nun 26 Jahren längst hinaus, auch wenn ihm dieses Image manchmal immer noch anhaftet.

Die Fans träumen von Isco, dem Anführer, als zentralem Fixpunkt im königlichen Mittelfeld. 

Asensio: Das große Erbe des CR7

Als Talent darf sich das zweite Sorgenkind der letzten Wochen durchaus noch bezeichnen. Mit seinen 22 Jahren bereitete Asensio in den vergangenen beiden Spielzeiten der Fußballwelt immer wieder einen Vorgeschmack darauf, zu was er im Stande ist.

Als “das größte Talent Europas” ehrte ihn Bayerns Javi Martinez etwa. In der hochkarätig besetzen Offensive der Königlichen kam der Spanier zwar immer wieder auf seine Spielminuten, der große Durchbruch sollte allerdings in diesem Jahr erfolgen.

Doch auch Asensio zeigte enorme Leistungsschwankungen zu Beginn der Spielzeit, drückte der Real-Offensive zu selten seinen Stempel auf. Dazu fiel er negativ auf, indem er sich während der großen Krise öffentlich aus der Verantwortung zog.

Das kam auch bei den Fans nicht gut an. Sein Auftritt gegen Melilla hingegen schon eher. Die ersten beiden Treffer erzielte er selbst, den dritten bereitete er mustergültig vor. Über die gesamte Spielzeit war wieder die Leichtigkeit zu erkennen, die der Linksfuß für sein Spiel benötigt.

Die ihm aber in den vergangenen Wochen sichtlich abging. Der Druck beim größten Verein der Welt ist nun mal enorm. Besonders, wenn man in die Fußstapfen des erfolgreichsten Torjägers der Vereinsgeschichte treten soll.

Solaris Schicksal hängt an Isco und Asensio

Das Spiel gegen Melilla könnte nun für beide Spieler der Wendepunkt der laufenden Saison sein. Auch wenn es nur ein Drittligist war – die Freude und die Lust auf Fußball haben die beiden Edeltechniker nicht verloren.

Das spricht für ihre Einstellung, und ihren Willen, sich auch in schweren Zeiten durchzusetzen. Und auch Solari zeigte sich nach dem Spiel sichtlich: “Ich freue mich sehr für Isco”, ließ er verlauten, wohlwissend wie wichtig dieser im Laufe der Saison noch werden könnte.

Vor allem weiß der Ex-Spieler Solari aus eigener Erfahrung, wie die Madridista ticken. Es sind nicht die Wasserträger, die verehrt werden, es sind die Künstler. Solari selbst wurde als treuer Spieler geschätzt, vergöttert wurden Zidane, Figo und Ronaldo.

Schafft es der Argentinier nicht, seine beiden Juwele wieder in Form zu bringen und sie in die Mannschaft zu integrieren, wird er nie vollends die Gunst der Anhänger für sich gewinnen können.

Denn das Bernabeu will seine Farben nicht nur gewinnen sehen, sie wollen unterhalten werden. Und das von ihren Lieblingen.

Solaris Job hängt also über kurz oder lang auch an Isco und Marco Asensio.