Hirscher nimmt in Val d'Isere Weltcup-Führung ins Visier

Ski-Star Marcel Hirscher schickt sich an, vielleicht noch 2018 zum erfolgreichsten Österreicher in der Alpin-Weltcupgeschichte zu werden.

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Sieg Nummer 60 schnappte ihm am vergangenen Sonntag im Beaver-Creek-Riesentorlauf der Deutsche Stefan Luitz um 14/100 weg. Nun aber geht es zu einem Technik-Double in Hirschers Lieblingsort Val d’Isere. Noch drei Erfolge fehlen ihm auf Annemarie Moser-Pröll.

Val d’Isere. Zieht er mit den 62 Siegen seiner engeren Landsfrau gleich, schiebt sich Hirscher hinter dem Schweden Ingemar Stenmark (86) und der US-Amerikanerin Lindsey Vonn (82) in der ewigen Sieg-Statistik auf das Podest. Hermann Maier als den davor Erfolgreichsten der ÖSV-Herren hat der 29-Jährige mittlerweile um bereits fünf Erfolge hinter sich gelassen. Nach zwei bestrittenen Rennen bilanziert der siebenfache Gesamtweltcupsieger mit Rang eins und zwei und damit 180 Punkten.

Die Speed-Abteilung ist mit heuer bisher vier Rennen im Vorteil, dennoch würde Hirscher schon im Riesentorlauf am Samstag mit Rang drei wohl die Führung vom Kärntner Max Franz übernehmen. Die Erfolgsaussichten des Annabergers in Frankreich sind bei bisher sechs Siegen bzw. 14 Podestplätzen gut. Ein Siegdouble würde seine Weltcup-Erfolge 60 und 61 bedeuten, ein Doppelschlag ist ihm in Val d’Isere aber noch nie gelungen.

Hirscher hat sich gleich nach dem Riesentorlauf von Beaver Creek auf den Heimweg gemacht, Dienstagmittag ist er in Salzburg gelandet. Nach zwei Tagen bei seiner jungen Familie war für Donnerstag und Freitag auf der Reiteralm die Vorbereitung in beiden technischen Disziplinen angesetzt. “Zwei Trainingstage sind nicht viel, um sich vom trockenen, aggressiven nordamerikanischen Schnee auf europäische Verhältnisse umzustellen”, schrieb Hirscher in seinem Blog.

Die Anreise nach Val d’Isere ist für Freitagnachmittag geplant. Sein Sieg im Levi-Slalom und der Beaver-Podestplatz geben Zuversicht: “Persönlich darf ich mit der Erkenntnis zuhause ankommen, dass ich sowohl im RTL als auch im Slalom vorne mitfahren kann. Das ist ein gutes Gefühl! Bewusst ist mir natürlich auch, dass in beiden Disziplinen viel Arbeit vor meinem Team und mir liegt.” Denn in der letzten Rennwoche vor Weihnachten werden drei Riesentorläufe und ein Slalom gefahren.

Während der Jänner mit fünf Torläufen traditionell der Slalom-Monat ist, fällt im Riesentorlauf die Entscheidung über die WM-Tickets für Aare im Februar wohl zu einem Gutteil noch 2018. Denn vor den Titelkämpfen folgen nur noch die Riesentorläufe in Adelboden und erst drei Tage vor der WM-Eröffnung in Garmisch-Partenkirchen. Und quasi jeder aus dem Team hat nach dem – abgesehen von Hirscher – verkorksten Auftakt von Beaver Creek eine reelle Qualifikationschance.

Da holten nämlich sonst einzig Johannes Strolz als 23. und Philipp Schörghofer als 29. ein paar Pünktchen. Ausfälle verzeichneten Daniel Meier, Stefan Brennsteiner, Manuel Feller und Dominik Raschner. Roland Leitinger und die in den Riesentorlauf hineinschnuppernden Vincent Kriechmayr und Matthias Mayer verpassten die Qualifikation für den zweiten Durchgang. ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher bemängelte danach technische Fehler und eine zu wenig präzise Fahrweise.

Im Slalom sind die Österreicher auch neben Hirscher zweifellos kompakter aufgestellt. In Levi landeten Michael Matt, Christian Hirschbühl, Feller und Marco Schwarz in einem ÖSV-Paket auf den Rängen sieben bis zehn. Für jeden aus diesem Quartett ist aber auch noch mehr drinnen. Besonders Feller wird sich am Wochenende für seinen Auftritt in Beaver Creek rehabilitieren wollen, als er im Riesentorlauf nach nur wenigen Fahrsekunden ausgeschieden ist.

An Hirschers Hauptkonkurrenten hat sich trotz des Kontinente-Wechsels nichts geändert. Der in seiner Karriere von vielen Verletzungen gebeutelte Deutsche Stefan Luitz hat am Sonntag die fast einjährige Siegesserie Hirschers im Riesentorlauf beendet und will nachlegen. Sein Teamkollege Felix Neureuther gibt infolge eines Daumenbruchs vorerst nur am Samstag sein Comeback, er lässt den Sonntag-Slalom aus. Klar auch, dass der Norweger Henrik Kristoffersen wieder lästig sein wird.