FCB vor Nürnberg: Totaler Rotationsstopp

Bundesliga


Bayern-Trainer Kovac ändert das System – ohne Rücksicht auf große Namen. Gegen den FCN gibt es einen klaren Auftrag.

Von Klaus Bergmann und Christian Kunz



07. Dezember 2018

20:59 Uhr

Niko Kocac setzt auf eine härtere Ansprache, ein neues Spielsystem und eine vorerst fixe erste Mannschaft. Foto: Matthias Balk/dpa
Niko Kocac setzt auf eine härtere Ansprache, ein neues Spielsystem und eine vorerst fixe erste Mannschaft. Foto: Matthias Balk/dpa

München.Seine erste große Krise beim FC Bayern München hat Niko Kovac härter gemacht. Der
Trainer stoppt im Jahresendspurt die Rotation völlig und nimmt bei der Aufholjagd
in der Fußball-Bundesliga murrende Bankdrücker in Kauf. Härtere Ansprache, neues Spielsystem
und eine vorerst fixe erste Elf – der 47 Jahre alte Kroate stellt den Erfolg des Rekordmeisters
fortan über persönliche Befindlichkeiten.

Vor dem Derby am Samstag (15.30 Uhr) gegen den 1. FC Nürnberg gab Kovac eine Kostprobe
seiner „klarer und deutlicher“ gewordenen Ansprache ans Team. „Ich habe gesagt, okay,
die Rotation wird stattfinden, aber nur dann, wenn einer verletzt ist beziehungsweise
wenn wirklich jemand total am Boden ist“, sagte der Coach.

Ob der zuletzt erkrankt fehlende Mats Hummels, der noch verletzte James Rodríguez
oder ein langjähriger Leistungsträger wie Javi Martínez – Kovac nimmt keine Rücksicht
mehr auf Einzelne. „Für diejenigen, die hinten dran sind, ist das sicherlich nicht
angenehm. Aber das ist das Geschäft und jeder muss damit klarkommen“, sagte Kovac
am Freitag. „Wenn ein Spieler dann die Möglichkeit bekommt, und die muss er sich im
Training erarbeiten, muss er sie auch nutzen. Der Kader ist bekannt – und die ersten
elf im Moment auch.“

Gnabry dürfte wieder auflaufen

Trainer Niko Kovac setzt gegen den FCN auf taktische Veränderungen. Foto: Sven Hoppe/dpa
Trainer Niko Kovac setzt gegen den FCN auf taktische Veränderungen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Die 2:1-Sieger von Bremen um den dort für den angeschlagenen Arjen Robben ins Team
aufgerückten Doppeltorschützen Serge Gnabry dürfen demnach auch gegen Nürnberg auflaufen.
Und das mit einem klaren Auftrag des Trainers: „Wir wollen das Spiel gewinnen, egal
wie – am besten schön und mit vielen Toren.“ Der letzte Bundesliga-Heimsieg liegt
immerhin fast drei Monate zurück. Am 15. September wurde Bayer Leverkusen mit 3:1
besiegt. Seitdem gab es vier sieglose Heimspiele: 1:1 gegen Augsburg, 0:3 gegen Mönchengladbach,
1:1 gegen Freiburg und zuletzt ein 3:3 gegen Fortuna Düsseldorf, das Kovac als Trainer
in Bedrängnis brachte.

Ein Ende der Heimmisere ist – gerade gegen den Gegner aus Franken – sozusagen eine
Verpflichtung gegenüber dem eigenen Anhang. „Für unsere Fans ist es ein ganz wichtiges
Spiel“, betonte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge. Er forderte, dass die eigene Mannschaft
dort weitermachen müsse, „wo wir aufgehört haben in Bremen“.


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Taktische Veränderungen

Ein Sieg könnte der Jagd auf den weit enteilten Tabellenführer Borussia Dortmund,
der die knifflige Derby-Aufgabe beim FC Schalke 04 meistern muss, Schwung verleihen.
„Wir haben dazu beigetragen, dass wir in ruhigerem Fahrwasser unterwegs sind“, sagte
Thomas Müller.

Der Vize-Kapitän auf der Zehner-Position ist ein Teil der taktischen Veränderungen,
die der Trainer vorgenommen hat. Ein anderer ist die Doppel-Sechs mit Joshua Kimmich
und Leon Goretzka, die für mehr defensive Stabilität sorgen sollen. „Im Umschaltspiel
nach hinten wurden wir immer ausgekontert“, erinnerte Kovac. „Wir werden das System
erstmal beibehalten, weil sich die Mannschaft darin wohlfühlt.“ Das heißt auch, dass
Rafinha nach Kimmichs Versetzung rechter Verteidiger bleibt. „Rafa macht das fantastisch“,
lobte Kovac den Routinier.

Die aktuell erste Elf ist freilich nicht in Stein gemeißelt. Das wichtigste Aufstellungskriterium
lautet Leistung. Der lange verletzte Kingsley Coman ist nach seinem bemerkenswerten
Comeback in Bremen auf Sicht ein Startelfkandidat. „Kingsley ist einer, der uns gefehlt
hat und uns eine andere Dimension nach vorne gibt“, sagte Kovac.

Zu Wintertransfers äußerte sich Kovac am Freitag zurückhaltend und skeptisch. „Die
Clubs, die im Winter was machen müssen, haben ein großes Problem, weil der Markt nicht
so groß ist“, sagte er. Die Preise gingen ins „As-tronomische“. Stand jetzt, so Kovac,
werde man über den schon im Sommer verpflichteten Kanadier Alphonso Davies (18) hinaus
„nichts machen“.

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