Börse Frankfurt-News: Im Zweifel für Bundesanleihen (Anleihen)

Der Einbruch an den Aktienmärkten
lässt Anleger wieder nach sicheren Bundesanleihen greifen. Auch im
Unternehmensanleihebereich fliegt alles, was als riskanter gilt, aus
den Portfolios.

7. Dezember 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Mit den heftigen
Turbulenzen an den Märkten sind als sicher geltende Anleihen wieder
gefragt, Bundesanleihen und Treasuries verteuerten sich diese Woche
deutlich. “Alles minderer Qualität wird verkauft”, stellt Gregor
Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank fest. Nach
Bekanntwerden der Festnahme der Finanzchefin des chinesischen
Smartphone-Herstellers Huawei in Kanada wird am Markt eine
Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China
befürchtet, die Beruhigung nach dem G20-Gipfel am vergangenen
Wochenende war schnell vergessen.

So liegt der Euro-Bund-Future am Freitagmorgen bei 163,20 Punkten
nach 161,54 vor einer Woche. Zehnjährige Bundesanleihen werfen
wieder nur 0,23 Prozent ab, am vergangenen Freitag waren es noch
0,32 Prozent und im Februar dieses Jahres 0,77 Prozent. Auch die
US-Zinsen sind wieder deutlich gefallen: Die Rendite für zehnjährige
Treasuries liegt bei nur 2,88 Prozent. Damit ist der Anstieg aus den
Monaten September bis November auf über 3 Prozent und in der Spitze
3,24 Prozent wieder zunichte gemacht. Im Vergleich der kürzeren
Laufzeiten war sogar schon eine Inversion der Zinsstruktur zu
beobachten, wie die HSH Nordbank feststellt – in der Regel kein
gutes Zeichen.

Vorerst weiter im Risk-off-Modus

Analysten zufolge ist so schnell auch mit keiner Umkehr des Trends
fallender Zinsen zu rechnen: “Vor dem Hintergrund der anstehenden
Brexit-Entscheidung und den Rezessionsbefürchtungen in den USA
dürften die Staatsanleihen der Euro-Kernländer in den kommenden
Tagen stark gefragt bleiben”, meint Markus Koch von der Commerzbank.
Bei einer Rendite zehnjähriger Bunds von unter 0,3 Prozent sieht die
Bank aber keinen Sinn darin, auf die Bund-Rallye aufzuspringen.
“Vielmehr erwarten wir nach der Abstimmung über den Brexit-Vertrag
und vor dem EZB-Treffen eher, dass die Rallye ausläuft.”

Am kommenden Donnerstag trifft sich die EZB. Es wird fest davon
ausgegangen, dass der EZB-Rat formal beschließen wird, die
Anleihekäufe zum Jahresende einzustellen. Für die US-Notenbank, die
am 19. Dezember zusammenkommt, rechnet man am Markt fest mit einer
weiteren Zinserhöhung, der vierten in diesem Jahr. Zuletzt mehrten
sich aber die Stimmen, dass danach eine Pause eingelegt werde.

Luft anhalten vor Brexit-Abstimmung

Die am kommenden Dienstag anstehende Abstimmung im britischen
Parlament über den Brexit-Vertrag sorgt für viel Nervosität.
“Wahrscheinlich werden die Abgeordneten den Deal ablehnen”, erklärt
Peter Dixon von der Commerzbank. Doch selbst dann spreche vieles
gegen einen harten Brexit. Das stärkste Argument sei, dass sowohl
die EU als auch die britische Regierung hieran kein Interesse
hätten. “Zwar setzt dies ein Maß von Rationalität voraus, das bei
den Brexit-Diskussionen nicht immer zu beobachten war. Die
wirtschaftlichen Folgen eines harten Brexit wären aber so negativ,
dass die Politiker dieses Risiko wohl kaum eingehen werden.”

In Italien mehren sich Spekulationen über einen Rücktritt von
Finanzminister Giovanni Tria, der dies aber dementieren ließ. Am
Donnerstagabend zeigte sich der stellvertretende Ministerpräsident
Luigi Di Maio jedoch abermals optimistisch, mit der Europäischen
Kommission eine Lösung für das Thema Haushalt zu finden. Die Rendite
italienischer Staatsanleihen, die zuletzt zurückgegangen war, steigt
heute wieder an.

Corporates: Nur Sicheres gefragt

Auch im Unternehmensanleihebereich trennen sich viele Anleger von
riskanteren Papieren, also High Yield-Anleihen, Hybridanleihen oder
nicht gerateten Papieren. “Die heftigen Kursbewegungen sind zum
einen Folge der Unsicherheit am Markt, zum anderen aber auch auf die
geringere Liquidität zum Jahresende zurückzuführen”, erklärt Rainer
Petz von Oddo Seydler. Wie Daniel meldet, steht auf den
Verkaufslisten zum Beispiel eine bis 2021 laufende Anleihe von Sixt
Leasing (WKN A2DADR) mit Kupon von 1,125 Prozent und ohne Rating.
Gegen den Trend gekauft würden hingegen Bonds von Stada (WKN A14KJP)
und UBM Development (WKN A2RS14).

PetzPetz

Die Nachricht, dass DIC Asset den von ihr gehaltenen 14-prozentigen
Anteil an TLG Immobilien verkauft, führt laut Daniel zu Käufen der
im Oktober emittierten DIC-Anleihe (WKN A2NBZG). Nochmals nach unten
ging es hingegen für Thomas Cook-Bonds, wie Daniel und Petz melden.
Das bis Juni 2022 laufende Papier des britischen
Touristikunternehmens mit einem Kupon von 6,25 Prozent (WKN A1895A),
das Anfang November noch bei über 100 Prozent notierte, kostet
aktuell nur noch 72,75 Prozent. “Hintergrund sind schlechte Zahlen
sowie eine Rating-Herabstufung”, bemerkt Daniel. Bis auf 70 Prozent
fiel die bis 2023 laufende Anleihe mit Kupon von 3,875 Prozent. “Das
hängt wohl auch mit dem Brexit zusammen”, bemerkt Petz.

US-Dollar-Anleihen beliebt

Gesucht bleiben Petz zufolge Unternehmensanleihen in US-Dollar. “Bei
bekanntem Namen und einem interessanten Kupon wird gekauft.” Als
Beispiel nennt der Händler eine auf US-Dollar lautende Anleihe von
Dow Chemical, die 2025 fällig wird und 4,55 Prozent bietet (WKN
A2RU75) und die außerdem auch noch die kleinanlegerfreundliche
Stückelung von 2.000 US-Dollar aufweist. “Wenn man das mit den neuen
SAP-Anleihen vergleicht, kann man das verstehen.” Die neuen
Euro-Anleihen von SAP, insgesamt sind es fünf, offerieren zum
Beispiel bei einer Laufzeit bis 2022 einen Kupon von 0,25 Prozent
(WKN A2TSTD) und bei einer Laufzeit bis 2031 1,625 Prozent. “Dabei
liegt das SAP-Rating mit ?A? nur etwas über dem von Dow Chemical mit
?BBB?.”

von: Anna-Maria Borse 7. Dezember 2018,

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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG
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