Aktuelle FotosGelbjacken-Proteste: Erste Zusammenstöße in Paris

8000 Polizisten stehen alleine in Paris bereit, die ersten Demonstranten sind bereits vor dem Triumphbogen © AP

11.40 Uhr: Erste Zusammenstöße

Bei den Protesten der “Gelbwesten” in Paris ist es am Samstagmorgen zu ersten Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Sicherheitskräfte setzten Tränengas gegen Teilnehmer einer Kundgebung in einer Seitenstraße des Prachtboulevards Champs-Elysees ein, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Mehrere Demonstranten bewarfen die Polizei unter anderem mit Knallkörpern und anderen Gegenständen. Rund 1500 Menschen hätten sich am Vormittag auf den Champs-Elysees versammelt, erklärte die Polizeipräfektur. Nach Angaben von Frankreichs Regierungschef Edouard Philippe wurden in Paris bis zum späten Vormittag 481 Menschen vorläufig festgenommen, 211 Menschen kamen in Polizeigewahrsam. Darunter seien Verdächtige, die Masken, Steinschleudern, Hämmer und Pflastersteine bei sich getragen hätten.

Es sei ein “außergewöhnliches” Sicherheitskonzept in Kraft. Ziel sei es, friedliche Demonstranten von Randalierern zu trennen, so Philippe bei einem ersten Bericht zur Lage nach einem Treffen mit dem Innenminister Christophe Castaner und Sicherheitskräften.

11.15 Uhr: 50 Festnahmen in Brüssel

Vor Beginn von “Gelbwesten”-Demonstrationen nach französischem Vorbild hat die belgische Polizei am Samstag in Brüssel 50 Personen festgenommen. Die ersten Festnahmen seien an Bahnhöfen und im Europaviertel erfolgt, teilte die Polizei mit.

Die Einsatzkräfte erhöhten ihre Präsenz in der Europa-Metropole. Man hoffe auf einen friedlichen Verlauf der Proteste und erlaube den Leuten, ihren alltäglichen Verrichtungen nachzugehen, sagte eine Polizeisprecherin.

Hier erste Bilder von den Protestaktionen am Samstagvormittag:

 

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Die Proteste am Samstagvormittag

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Schließt das Jahr 2018 an das “Revolutionsjahr” 1968 an?

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Im Osten Belgiens blockierten am Samstagmorgen bereits Gelbwesten-Protestler die Autobahn E40, welche nach Frankreich führt. Auch in Belgien demonstrieren Menschen in den namensgebenden signalfarbenen Sicherheitswesten gegen erhöhte Treibstoffpreise.

10.50 Uhr: 278 Festnahmen vor Beginn in Paris

Bereits vor Beginn der “Gelbwesten”-Proteste sind am Samstagmorgen einige Hundert Menschen in der Hauptstadt festgenommen worden, 278 Personen wurden in Paris festgenommen. Grund sei in vielen Fällen gewesen, dass die Menschen sich einer Gruppe angeschlossen hätten, die “Gewalt gegen Personen oder die Zerstörung von Gegenständen” vorbereitet habe, hieß es. Es handle sich meist um Verdächtige im Alter von rund 30 Jahren, die aus dem Umland nach Paris gereist seien. Die Festgenommenen trugen demnach Masken, Steinschleudern, Hämmer und Pflastersteine bei sich.

9.00 Uhr: Tausende Polizisten kontrollieren in Paris

Etwa 8000 Polizisten stehen in Paris bereit, um erneute Ausschreitungen bei Massenprotesten gegen die Regierung wie vor einer Woche zu verhindern. Zahlreiche beliebte Touristen-Ziele wie der Eiffelturm bleiben diesen Samstag in der französischen Hauptstadt geschlossen – ebenso wie viele Geschäfte. Insgesamt sind im ganzen Land 89.000 Polizisten und Ordnungskräfte im Einsatz.

Hier lesen Sie, die Chronologie zu den Gelbjacken-Protesten in Frankreich – alles begann mit einem Facebook-Video.

Eine Stadt im Ausnahmezustand

Die Polizei kontrollierte in Paris Taschen und Rucksäcke von Passanten. Etliche Geschäfte im Zentrum der Stadt waren aus Furcht vor Chaos und Plünderungen nicht geöffnet, viele von ihnen hatten ihre Schaufenster verbarrikadiert. Pariser Touristen-Attraktionen wie Eiffelturm und Louvre bleiben geschlossen. Zudem bleiben 36 Stationen der U-Bahn und der Vorortbahnen RER geschlossen. Rund 50 Buslinien wurden unterbrochen oder umgeleitet.

Aufruf zum “vierten Akt”

Demonstranten haben in sozialen Netzwerken für dieses Wochenende zum “vierten Akt” aufgerufen, in Anspielung auf die drei vorangegangenen Wochenenden, an denen die sogenannten Gelbwesten gegen hohe Lebenshaltungskosten und die Steuerpolitik von Präsident Emmanuel Macron protestiert haben. Dabei war es wiederholt zu teils schweren Ausschreitungen gekommen.

Gepanzerte Fahrzeuge im Einsatz

Die Behörden wollen in Paris erstmals seit Beginn der “Gelbwesten”-Proteste auch gepanzerte Fahrzeuge einsetzen. Bei der Feier zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkriegs mit rund 70 Staats- und Regierungschefs hatte Frankreich Mitte November rund 10.000 Polizisten in der Kapitale eingesetzt.

Video sorgt für Empörung

Während in Frankreich die Anspannung vor dem Wochenende wuchs, sorgten Videoaufnahmen von einem früheren Polizeieinsatz für Empörung und Betroffenheit. In der Nähe von Paris waren am Donnerstag rund 150 Menschen festgenommen worden, vor allem Schüler, die in Mantes-la-Jolie protestiert hatten. Videos zeigen, wie Dutzende von ihnen in Reihen und unter der Aufsicht der Sicherheitskräfte auf dem Boden knieten oder hockten. Die Hände hielten sie am Kopf oder hinter dem Rücken. Polizeikreise bestätigten die Echtheit der Aufnahmen. Laut der Nachrichtenagentur AFP waren am Donnerstag im ganzen Land rund 700 Schüler bei Protesten vorläufig festgenommen worden.

Die “Gilets Jaunes” (Gelbe Westen) wandten sich zunächst vehement gegen eine Erhöhung der Benzin- und Dieselsteuern – dieser Schritt wurde von der Regierung für das kommende Jahr ausgesetzt. Der Protest ist jedoch inzwischen viel breiter geworden und richtet sich gegen die Reformpolitik der Regierung und des Staatschefs Macron. Der 40-Jährige hielt sich in den Krisentagen merklich mit Äußerungen zurück und überließ Premier Philippe das Feld.

Innenminister Castaner bilanzierte, der Protest sei zunächst eher friedlich und spontan gewesen. Dann habe sich ein Teil der “Gelben Westen” aber radikalisiert. “Innerhalb der drei vergangenen Wochen konnten wir sehen, wie ein Monster geboren wurde, das seinen Schöpfern entflohen ist.”

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo teilte mit, es seien aus Sicherheitsgründen rund 2.000 Stadtmöbel abgebaut worden, darunter Schutzgitter für Bäume. Die Sozialistin rief zur Ruhe und zur Vorsicht auf.

“Sprachrohr der konstruktiven Wut”

Eine Untergruppe der “Gelbwesten”, die sich selbst als “Sprachrohr der konstruktiven Wut” sieht, rief am Freitagabend zu friedlichen Protesten auf. “Ich denke, wir müssen jetzt vernünftig sein und auf die Worte unseres Präsidenten warten. Er ist es, der den Schlüssel für dieses Schloss in der Hand hat”, sagte Christophe Chalencon von den “freien Gelben Westen” nach einem Treffen mit Premier Philippe vor Journalisten. Man wolle keine Revolution, sondern eine Evolution der Gesellschaft – und diese müsse in Ruhe vonstattengehen.

Man habe dem Premier die Botschaften der “Gelben Westen” übermittelt, sagte Benjamin Cauchy, der ebenfalls an dem Gespräch teilgenommen hatte. Jetzt sei es an Macron, sich so schnell wie möglich zu äußern – “mit dem Herzen (und) mit Emotion”.

Ein prominenter Sprecher der “Gelbwesten”, Eric Drouet, hatte zuvor auf Facebook dazu aufgerufen, an diesem Wochenende nicht in der Innenstadt, sondern auf dem inneren Autobahnring zu protestieren – “wo es nichts kaputt zu machen und nichts zu zerstören gibt, wo wir unsere Wut herausschreien können”. Böller, Sprengkörper und Baseballschläger seien verboten. Mehrere Tausend Menschen zeigten sich interessiert an der Veranstaltung.

Fußballspiele abgesagt

Mehr als die Hälfte aller am Wochenende angesetzten Erstliga-Fußballspiele in Frankreich wurden abgesagt. Nach Angaben der Französischen Fußball-Liga (LFP) kann auch die Partie zwischen Olympique Nimes und dem FC Nantes nicht wie geplant am Samstag stattfinden. Zwei Spiele der Handball-Europameisterschaft der Frauen in Nantes wurden vom Samstag auf Sonntag verschoben.