FC-Analyse: Der spektakuläre Sieg war mehr als nur ein Erfolg des Systems

Köln –

Das Wichtigste zuerst

Der 1. FC Köln hat nach fünf Pflichtspielen ohne Sieg einen Befreiungsschlag gelandet und Dynamo Dresden mit 8:1 geschlagen. Mit einer rauschhaften Leistung schossen sich die Kölner zurück auf Rang zwei der Zweiten Liga und distanzierten die Gäste aus Sachsen, die mit einem hohen Sieg sogar am FC hätten vorbeiziehen können. Die Kölner, die nach dem lausigen Auftritt beim 0:1 am vergangenen Montag in Hamburg mit verändertem System, vor allem aber mit vollständig veränderter Einstellung auftraten, schafften damit pünktlich zu Sessionsbeginn und Länderspielpause einen womöglich entscheidenden Heimsieg nach zahlreichen mäßigen Auftritten im eigenen Stadion.

Die Tore

Schon in der dritten Minute spielte Marcel Risse einen fantastischen Pass die rechte Seite hinunter in Drexlers Lauf, dessen perfekte Flanke Jhon Córdoba per Kopf zum 1:0 verwandelte. Kurz vor der Pause lief Louis Schaub mit dem Ball bis tief in die Dresdner Hälfte, verzichtete aber auf einen Abschluss mit dem rechten Fuß und versuchte stattdessen einen unmöglichen Pass. Ein Dresdner fälschte zu Terodde ab, der zum 2:0 einschob und damit eine eher ereignisarme erste Hälfte zu einem guten Ende brachte – und Schaub zu einem etwas glücklichen Scorerpunkt verhalf.

Kurz nach dem Seitenwechsel legte Córdoba den Ball auf Schaub, dem die Flanke zwar missglückte, der aber den Ball zurückbekam, in den Strafraum dribbelte und auf Terodde passte, dem ein einfaches 3:0 glückte. Fünf Minuten später spielte Risse einen Diagonalball, ein Dynamo-Verteidiger verpasste, Córdoba brachte seinen Körper gut zwischen Ball und Gegner und traf mit links ins entfernte Toreck.

Dann gab es wieder ein Produktion des extrem agilen Louis Schaub zu sehen, dem erneut der Zufall assistierte: Der Wiener dribbelte an den Strafraum und versuchte einen gelupften Ball. Wieder wurde der Pass entscheidend abgefälscht, Hector versenkte. Das 6:0 war ein erholsam konventioneller Treffer an diesem verrückten Nachmittag in Müngersdorf: Hector flankt von links, Terodde trifft per Kopf. Ging aber ja noch weiter.

Denn in der 72. Minute lupfte Berko einen Pass auf Baris Atik, der aus der Drehung volley zum 1:6 für die Gäste traf. Wieder hatten die Kölner also nicht zu null gespielt. Doch Timo Horn war nicht unglücklich: „Wenn der Gegner das Tor des Monats nach Louis Schaub macht, kann ich damit leben.“ Es folgte Schaubs nächster Auftritt, der den Ball vom Strafraumeck mit dem linken Fuß in den Winkel drehte. Ein Traumtor. Kapitän Jonas Hector erzielte nach Freistoß von Marcel Risse per Kopf den Schlusspunkt.

Das war gut

Die Zielstrebigkeit, mit der die Kölner das Dresdner Tor attackierten. Anstatt durch die Mitte anzugreifen und sich nach Ballverlusten wieder Konter zu fangen, trug Anfangs Mannschaft ihre Aktionen über die Flügel vor und war zudem im Ausnutzen ihrer Gelegenheiten extrem stark. Aus nur Zwölf Schüssen auf das Dresdner Tor fielen acht Treffer, eine irrsinnige Quote – und die Portion Glück, die den Kölnern zuletzt gefehlt hatte.

Das war schlecht

Die Dresdner, die offensiv wie defensiv vollständig versagten.

Mann des Spiels

Louis Schaub, der Techniker aus Österreich, der am Samstag mit Glück und Können erst drei Tore einleitete und anschließend mit einem traumhaften Schuss in den Winkel zum 7:1 traf. Ein weiterer Mann des Tages war allerdings der Dresdner Keeper Markus Schubert. Der 20-jährige weinte nach dem Schlusspfiff bitterlich, nachdem er zuvor allenfalls am achten Gegentreffer eine Schuld getragen hatte. Ein bitterer Tag für den Jugend-Nationalspieler, dem eine große Zukunft vorhergesagt wird.

Besonderer Moment

Dieser Samstagnachmittag in Müngersdorf war voller großer Augenblicke. Louis Schaubs Tor zum 7:1 war ein besonderer Moment, zumal der Österreicher den Treffer mehr als verdient hatte, nachdem er zuvor einmal mehr mit großer Spielfreude geglänzt und seine Mitspieler in Szene gesetzt hatte. Jhon Córdobas umjubelte Auswechslung nach einer Stunde reihte sich in die Reihe feierlicher Augenblicke ein.

Das sagen die Trainer

Markus Anfang (1. FC Köln)

„Wir sind richtig gut in die Partie gekommen, das war ja so ein Thema zuletzt. Wir hatten viele Spiele, in denen wir nicht in Führung gegangen sind. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Irgendwann musste der Zeitpunkt kommen, an dem man sich belohnt. Es war eine gute Reaktion auf das Spiel in Hamburg. Insgesamt freue ich mich gerade für uns in Köln, denn morgen ist Sessionsauftakt. Das ist eine besondere Sache für uns. Wer heute im Stadion war, hat morgen richtig Grund zu feiern. Darum wünsche ich allen einen schönen Fastelovend zusammen. Unabhängig von den Ergebnissen sollen es die Jungs auch mal richtig krachen lassen. Morgen können sie raus, Feuer frei. Aber sie sollen sich benehmen.“

Zum Wechsel auf zwei Stürmer in der Startelf sagte Anfang: „Ich finde die Diskussion über Systeme interessant. Wir haben auch in Hamburg mit Simon Terodde und Jhon Córdoba vorn gespielt. Am Ende geht es darum, dass wir erfolgreich sind. Die Jungs haben das gut umgesetzt, wir nehmen das gern mit.“

Maik Walpurgis (Dynamo Dresden)

„So viele Worte möchte ich heute nicht verlieren. Ich möchte um Verständnis bitten, dass ich nicht so viel analysieren will. Ich habe in die Gesichter geschaut, und wenn die halbe Mannschaft heult wie die Schlosshunde, dann weiß ich, dass ich hier Jungs trainiere, die ganz viel Herz haben und ganz viel Leidenschaft. Wir müssen das jetzt als Mannschaft aushalten und schauen, dass wir den Frust in Energie und Entschlossenheit umwandeln.“

Das sagen wir:

Der 8:1-Sieg über Dresden war viel mehr als nur ein Erfolg des Systems, denn die Kölner haben in dieser Saison mit einer, zwei und drei Spitzen gespielt und dabei sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielt. Am Samstag stimmte vor allem die Leistung, da war die Aufstellung zweitrangig. Acht Tore mit zwölf Torschüssen – die Kölner waren am Samstag auch konzentriert und dadurch gnadenlos effektiv, trafen aber auch auf einen desolaten Gegner. Der fulminante Heimerfolg könnte wie das 7:0 am achten Spieltag der Saison 2002/03 gegen Union Berlin, ein entscheidender Erfolg auf dem Weg hin zu souveränen Auftritten und dem Aufstieg sein.