Warren Buffet?


Der Seher


Wer ist mächtiger in Amerikas Finanzsystem: die Wall Street oder
Warren Buffett
? Neben gut 60 Unternehmen, die er mit seiner Holding Berkshire Hathaway direkt kontrolliert, hält er große Aktienpakete, etwa an Coca-Cola, der Bank Wells Fargo, Moody’s oder Kraft Heinz (Ketchup). Der Investmentbank Goldman Sachs half Buffett 2008 mit fünf Milliarden Dollar durch die Finanzkrise. Schon an der Highschool anno 1947 (Foto) wollte er Aktienhändler werden. Buffett liebt Bridge und wohnt seit 1958 im selben Haus in Omaha, Nebraska.

Der drittreichste Mann der Welt hat zu viel Cash. Seine Hoffnungen ruhen auf Deutschland.

Als die Knaufs aus Iphofen, Unterfranken, im Frühjahr für sechs Milliarden Euro den amerikanischen Konkurrenten USG in Chicago, Illinois, übernehmen wollten und auf Widerstand trafen, unternahmen sie einen Abstecher nach Omaha, Nebraska, zu Warren Buffett (88). Der Welt einflussreichster Investor und Anteilseigner von USG war gar nicht erfreut darüber, dass die Manager in Chicago die Offerte der Bayern so brüsk abgebügelt hatten.

Buffett traf sich mit Alexander Knauf (44) und dessen Co-Geschäftsführer Manfred Grundke (63) und sagte, er finde den gebotenen Preis fair. Seine knapp 31 Prozent der USG-Aktien könnten sie dafür gern haben. Wenig später knickte USG-Chefin Jennifer Scanlon ein.

So verhalf der drittreichste Mann der Welt der Iphofener Gipsdynastie – die selbst immerhin zu den 20 reichsten Deutschen zählt (siehe Ganz trocken) – zum größten Deal ihrer 86-jährigen Familiengeschichte.

Für Buffett selbst jedoch vergrößerte sich der Anlagenotstand durch die Überweisung aus Bayern: Mehr als 100 Milliarden Dollar Bares liegen auf den Konten seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway. Der Mann, dem Süßwarenfirmen, Zeitungen, Kfz-Versicherungen oder Eisenbahnen gehören, findet partout keine neuen Unternehmen, die er kaufen möchte – alle zu teuer.

Dabei träumen gerade deutsche Mittelständler vom Exit über Omaha – schon weil Buffett viel Vertrauen schenkt. Hat er eine Firma gekauft, lässt er das Management meist machen. Die Fantasien ermattender Firmeneigner nährt Buffett immer mal wieder, wenn er – wie auf seinem jüngsten Aktionärstreffen im Mai – sagt, er warte ja nur auf Anrufe aus Deutschland mit attraktiven Angeboten. Ach ja, seine Telefonnummer? 001-402-346-1400.

Ein paar Deals hat er in Germany natürlich schon gemacht. Lange war er Großaktionär bei der Münchener Rück – Versicherungen sind Buffetts Spezialität. Am Spezialchemiekonzern Lanxess hat er sich 2017 beteiligt. Ihm gehört der kleine Flughafen Egelsbach nahe Frankfurt. Und vor gut drei Jahren kaufte er für 400 Millionen Dollar Detlev Louis, einen Händler für Motorradzubehör. Das nannte er damals, fast euphorisch, einen “Türöffner” für Deutschland.

So ganz geklappt hat das bislang nicht, dann eben im Silicon Valley. Lange hatte Buffett die Techbranche gemieden: Er investiere nur in Geschäfte, die er auch verstehe. Aber nun hat Berkshire rund 5 Prozent an Apple erworben – weil der iPhone-Konzern in Buffetts Augen zu einem Konsumgüterhersteller mutiert ist.

Davon überzeugt haben ihn seine Topmanager. Die liefern sich seit Jahren ein Rennen darum, wer den Gründer dereinst beerben darf. Buffett selbst lässt die Welt weiter rätseln, wann und wie er sein Lebenswerk übergeben will – ganz wie ein typischer deutscher Familienunternehmer eben.