Nach US-Wahlen hat Trump die Republikaner fest im Griff

Ein Wahltag nur mit Siegern: Donald Trumps Republikaner mit Zuwachs im Senat, die Demokraten mit neuer Mehrheit im Repräsentantenhaus. Beide glücklich, zumindest haben sie sich so präsentiert.

Und wissen doch beide, dass dieses Ergebnis ihnen für die zweite Amtshälfte des Präsidenten keinen Durchmarsch garantiert. Dieses Ergebnis wird aber auch die nächsten zwei Amtsjahre von Donald Trump prägen und hat ihren Verlauf längst vorherbestimmt.

Angestrengt und dünnhäutig

Donald Trump wirkte am Tag danach, trotz der Siegerpose, angestrengt und dünnhäutig. Klar, mit dem Regieren ohne Widerstand und mit verlässlichen Stimmen in beiden Häusern ist es vorbei. Er muss ab sofort auch geben, nicht mehr nur nehmen – die nächsten zwei Jahre werden anstrengender.

Die Siegerpose rechtfertigt aber, was dieses Wahlergebnis für ihn persönlich bedeutet: Er ist ab sofort der unangefochtene Herrscher in der Partei. Die zusätzlichen Sitze im Senat kann er seinem Engagement zuschreiben.

Wen er im Wahlkampf unterstützte, schon im innerparteilichen Vorwahlkampf, gewann auch, wer nicht, verlor meistens. Ein paar, die sich gegen ihn gestellt und verloren hatten, stellte er voller Häme in dieser Woche öffentlich an den medialen Pranger. Er hat in der Partei keine Gegner mehr. Die, die es waren, sind entweder gegangen oder längst still, hoffen auf die Zeit danach.

In New York warten die Menschen auf die Wahlergebnisse (Foto: picture-alliance / dpa)
Nach den Wahlen scheint das Land noch mehr gespalten.

Trump hat in der Partei keine Widersacher mehr

Mit beispiellosem strategischen Geschick ist Trump jeden Widersacher losgeworden und er kann jetzt sagen: “Die Republikaner, das bin ich.” Damit ist ihm auch die Kandidatur für eine zweite Amtszeit nicht mehr zu nehmen. Wer gegen ihn antritt, muss damit rechnen für immer politisch vernichtet zu werden.

Trump wird mit Jubel auf den Schild gehoben werden, wenn er es denn will. Und es könnte ja durchaus sein, dass er gar nicht antritt. Für den Fall hat Donald Trump mit Weitsicht und einem geschickten Schachzug dafür gesorgt, dass er nicht zur sogenannten Lame Duck wird. Nicht zu einem, der nichts mehr reißt, weil alle wissen, dass er gehen wird.

Schon rund vier Wochen nach Amtsantritt hat er offiziell seine Kandidatur für 2020 erklärt und damit darf er rechtlich Wahlkampf für sich machen und vor allem Spenden sammeln. Das tut er mit großem Erfolg. Sollte er also nicht mehr antreten, wird er zum Königsmacher, weil er entscheidet, wer mit diesem Geld Vorsprung bekommt. Jeder, der etwas werden will, wird sich gut mit ihm stellen, ihn in allem unterstützen.

Die Demokraten muss Trump nicht fürchten

Die Demokraten auf der anderen Seite braucht er für eine Weile nicht zu fürchten. Die lecken noch immer die Wunden von 2016, haben die Clinton-Niederlage nicht überwunden. Sie sind tief in zwei Flügel gespalten und das verhindert eine gemeinsame, nachvollziehbare und überzeugende Agenda.

Sie haben nicht einmal eine gemeinsame Botschaft. Bei den Wahlen jetzt einte sie nur Donald Trump – das Feindbild. Aber ansonsten kämpft der linke Flügel mit vielen Ideen für bessere soziale Leistungen gegen den Gemäßigten, der auf die steuerzahlende Mitte zielt und die weißen Vorstädte wieder ins demokratische Lager holen will.

Kein neuer Obama in Sicht

Arthur Landwehr  (Foto: ard-foto s2-intern/extern, SWR-Pressestelle)
US-Korrespondent Arthur Landwehr
ard-foto s2-intern/extern
SWR-Pressestelle

Diese Zerrissenheit gibt Donald Trump gleichzeitig alle Möglichkeiten, einen Keil zwischen die Demokraten zu treiben, Abgeordnete mit Geschenken für den jeweiligen Wahlkreis bei Abstimmungen in sein Lager zu zwingen. Und die demokratische Führung kann nichts dagegen tun.

Um überhaupt eine Chance zu haben, werden die Demokraten den schmerzhaften, innerparteilichen Machtkampf möglichst bald hinter sich bringen müssen. Am Besten vereint hinter einer Person – einer neuen Person. Aber die ist derzeit nicht in Sicht. Bis die aber am Horizont erscheint, wird dieses weiter Trumps Land bleiben.