Kommentar zum Niedrigwasser: Die Natur ist aus den Fugen

Magdeburg –

Es gibt schlechte Nachrichten, die eine sofortige Reaktion erfordern. Als Journalisten berichten wir täglich darüber: Eine Fehlentwicklung wird aufgedeckt, es gibt Empörung. Verantwortliche müssen ihren Hut nehmen, Gesetze werden geändert. Problem gelöst, hoffentlich.

Dann aber gibt es Nachrichten, die noch viel bedrohlicher sind, aber schleichend kommen, Stück für Stück. Das sind die Probleme, auf die die Menschheit offenbar keine passende Antwort findet. Zu diesen Katastrophen gehört der Klimawandel.

Die Elbe, ein mächtiger Fluss, ist ein Schatten ihrer selbst. Die Frachtschifffahrt ist zum Erliegen gekommen, seit Monaten. Es ist menschlich, jetzt auf den nächsten Regen zu hoffen, auf das nächste Jahr, das vielleicht wieder besser läuft.

Niedrigwasser gab es ja immer mal, sagen wir als Optimisten. Und blenden aus, was offensichtlich ist: Unser Klima unterliegt einer tiefgreifenden Änderung.

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Hagen Eichler

An der Elbe sehen wir immer häufiger Extremzustände: erst reißende Fluten, jetzt Niedrigwasser in Rekord-Ausmaß. Von den zehn trockensten Jahren seit Beginn der Messung haben wir neun seit dem Jahr 2000 erlebt. Die Natur ist aus den Fugen. Und nichts spricht dafür, dass sich das von allein einrenkt.

Beim Kampf um eine Eindämmung des Klimawandels geht es nicht nur um versinkende, aber weit entfernte Südseeinseln. Es trifft auch das sonst so sichere Mitteleuropa. Bei den Verhandlungen, die nächste Runde beginnt bald in Kattowitz, geht es auch um die Elbe und die Schifffahrt darauf; die Unternehmen und Landwirte, deren Produkte dort verschifft werden; die Häfen und ihre Mitarbeiter. Alles hängt mit allem zusammen – das sind die Nachrichten, die am schwierigsten zu erklären sind. Und doch am nötigsten.

Den Autor erreichen Sie unter: hagen.eichler@mz-web.de