Im Pflaster verewigte Eitelkeit eines Beamten

Wir Journalisten sind ja eine eitle Berufsgattung. In der Regel versehen wir unsere Beiträge mit unseren Namen. Unzählige andere Menschen üben jedoch mindestens ebenso verantwortungsvolle Tätigkeiten aus, ohne dass die Umwelt davon Kenntnis nehmen kann. Das dürfte sich auch ein Magistratsbeamter des oberösterreichischen Städtchens Steyr gedacht haben. Er war zuständig für die Pflasterlegung bei der Umgestaltung des Stadtplatzes, und so liess er kurzerhand die Buchstaben seines Nachnamens mit eigens angefertigten, dunklen Granitsteinen in den Boden legen.

Aufgefallen ist die vermeintliche Selbstverewigung zunächst niemandem. Erst zwei Wochen nach der feierlichen Einweihung des Platzes fielen einem Elektriker, der Leitungen verlegte, die Buchstaben H, I, N, G, E, R und L auf. Der Verdacht fiel so relativ schnell auf den Bauleiter Franz-Michael Hingerl, der für die SPÖ auch im Gemeinderat sitzt. Seinem Parteifreund, dem Bürgermeister Gerhard Hackl, machte er damit keine Freude.

Das sei eine Aktion wie von einem Zwölfjährigen, zitierten ihn die «Oberösterreichischen Nachrichten». «Richtig deppert ist das», fügte er an. Das sah wohl auch Hingerl ein. Jedenfalls liess er sich eine kreative Ausrede einfallen. Er habe die Geschäfte am Stadtplatz würdigen wollen und ihre Anfangsbuchstaben im Pflaster verewigt. So stehe das H für die Bäckerei Hohlrieder, das I für das Restaurant Imperial und so weiter. Die Begründung für das E ist jedoch nicht ganz schlüssig. Es soll das E-Banking der Oberbank symbolisieren. Dass die Buchstaben seinen eigenen Namen ergaben, sei ein blöder Zufall, so Hingerl.

Der Schriftzug hätte das Potenzial gehabt, zur Sehenswürdigkeit zu werden. Sogar der ORF berichtete, und Passanten fotografierten eifrig. Aber der Bürgermeister sprach sich gegen eine «Pilgerstätte für misslungene Ideen» aus. Mittlerweile wurden die Buchstaben entfernt, für die Kosten soll Hingerl aufkommen. In seiner Personalakte wurde zudem eine Ermahnung verzeichnet. Vielleicht geniesst er immerhin das Verständnis all jener, deren wertvolle Arbeit keine Anerkennung findet.

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