Huawei Mate20 Pro: Chinesisches Kraftwerk

Es ist nicht einmal ein Jahr her, dass das chinesische Unternehmen Huawei mit dem P20 Pro einen optischen Klon des iPhone X veröffentlicht hat. Damit nicht genug: Das Mate20 Pro ist seit Oktober im österreichischen Handel erhältlich und will noch weiter ins Premium-Segment vorstoßen. Mit einem unverbindlichen Verkaufspreis von knapp 1.000 Euro ein durchaus mutiger Schritt der Chinesen. Wir haben und das Gerät angesehen.

Auf den ersten Blick sieht das Mate20 Pro aus wie ein Samsung Galaxy S9+. Das schwarze Testmodell sieht schmuck aus, ist ansprechend edel in Glasoptik verarbeitet – aber rutscht leider dementsprechend leicht in den Händen herum. Unter dieser “Krankheit” leiden leider viele aktuelle Smartphones, besser sollen die anderen Farbvarianten des Mate20 Pro sein, die in Grün oder Blau eine rauere Oberfläche aufweisen. Wasserfest sind alle drei Varianten des Mate20 Pro.

Display mit möglichen Tücken

Die Front wird vom Display dominiert, die diesmal gänzlich ohne Fingerabdruckscanner auskommt. Dieser ist im Display integriert und funktioniert einwandfrei. Das Display selbst ist mit der kontraststarken OLED-Technologie ausgestattet und mit 3120 x 1440 Bildpunkten knackig scharf.

© Huawei

Weniger knackig sind Berichte, wonach manche User Probleme mit dem Display haben, weil es bei der Fertigung offenbar nicht ordnungsgemäß verklebt worden ist. Beim Testgerät konnte dieser Fehler nicht festgestellt werden, wer aber betroffen ist, muss das Service bemühen. Für ein 1.000-Euro-Smartphone eigentlich ein No-Go.

Das Akku-Monster in der Handfläche

Wirklich beeindruckend sind die inneren Werte des Mate20 Pro: Ein eigens entwickelter Prozessor und 6 GB Arbeitsspeicher machen das Smartphone zum schnellsten derzeit verfügbaren Android-Gerät. Noch erstaunlicher: Der Akku des Mate20 Pro hält mühelos zwei Tage durch, ohne einen Zwischenstopp an der Steckdose machen zu müssen. Damit erreicht das Smartphone mühelos Platz 1 hinsichtlich Ausdauer.

Das ist aber noch nicht alles: Der riesige Akku lässt sich nicht nur kabellos aufladen, er kann umgekehrt auch andere Geräte kabellos aufladen, die die moderne Qi-Technologie unterstützen. Damit lassen sich beispielsweise Smartwatches, Boxen oder anderes Zubehör mühelos “betanken”, wenn es einmal eng werden sollte. Tolles Feature.

Speicher erweiterbar, aber…

Einen seltsamen Weg geht Huawei hinsichtlich Speicher. Anders als beim P20 lässt sich der interne Speicher von 128 GB zwar erweitern. Allerdings mit einem Speicherkarten-Format, dass nur eigens für Huawei-Geräte gedacht ist.

© Huawei

Die sogenannte Nano-Memory-Card wurde aus Platzgründen für das Mate20 Pro entwickelt und kostet deutlich mehr als eine herkömmliche microSD-Karte. Ein Wermutstropfen, aber immerhin lässt sich der Speicher des Smartphones notfalls erweitern.

Solider Fotograf

Die Kamera ist weitgehend mit dem Variante aus dem P20 Pro ident, nur sind sie mittig und quadratisch angeordnet besser am Handy platziert. Die Bildqualität wird definitiv dem Premiumanspruch des Geräts gerecht, bei Bedingungen mit hellem Umgebungslicht macht die Kamera keine Faxen, lediglich wenn es dunkel ist, saufen die Details ab. Komischerweise mehr als das beim P20 Pro der Fall war.

Die Kameraautomatik, die von Huawei gerne als Künstliche Intelligenz verkauft wird, läuft dafür besser als auf dem P20 Pro und passt binnen kürzester Zeit je nach Motiv die entsprechenden Bildparameter an. Wer dem ganzen Hokuspokus nicht traut, kann sich freilich im professionellen Modus nach Herzenslust austoben. Nicht immer funktioniert sie einwandfrei. Im Alltag wird man aber mit der Automatik zu 80% sehr gute Resultate erzielen – und das bei minimalem Aufwand eines einzelnen Knopfdrucks.

Fazit

Das Huawei Mate20 Pro ist ein hervorragendes Smartphone, keine Frage. In der Klasse der obersten Smartphone-Liga positioniert es sich auf Augenhöhe mit dem iPhone Xs und dem Samsung Galaxy S9+. Die größte Konkurrenz macht sich Huawei aber selbst: Das P20 Pro steht dem neuen Flaggschiff um kaum etwas nach, kostet aber rund 300 Euro weniger. Wer ein wenig Geduld hat und nicht dringend ein neues Gerät braucht, wartet noch ein bisschen ab. Der Preisverfall könnte das Mate20 Pro dann auch zu einer finanziell attraktiven Alternative machen.