Erster Heiliger, der kein Märtyrer war


Der Tag des Heiligen Martin spielt in vielen Zusammenhängen eine Rolle / In Bernau finden seit 1975 Umzüge statt.

BERNAU. Am 11. November ist das Fest des heiligen Martin, an dem nahezu in alle Orten Laternenumzüge stattfinden, voran Martin auf einem Schimmel. Diese Tradition geht auf ein besonderes Ereignis vor 1687 Jahren in Amiens zurück.

Martin, Sohn eines römischen Offiziers, wurde 316 in Steinamanger in Ungarn geboren. Als 15-Jähriger wurde er Soldat im römischen Heer unter den Kaisern Constantin und Julian und wurde nach Gallien versetzt. Er war also noch ein Jugendlicher als er – der Legende nach – vor dem Stadttor von Amiens seinen Soldatenmantel mit einem frierenden Bettler teilte. Im Traum erschien ihm Christus, bekleidet mit dem abgeschnittenen Mantelstück. Als 18-Jähriger ließ er sich taufen, trat aus dem Militär aus, wurde Priester und lebte zunächst als Einsiedler. Im Jahr 361 gründete er in Ligugé in der Nähe des französischen Poitiers das erste Kloster des Abendlandes. Im Jahr 371 wählten ihn Klerus und Volk zum Bischof von Tours. Um dieser Würde zu entgehen, soll er sich in einem Gänsestall versteckt haben, doch deren Geschnatter verriet ihn. Auf diese Begebenheit ist der Brauch zurückzuführen, dass zu Martini eine Gans verspeist wird.

Als Bischof widmete sich Martin der Missionierung. 375 gründete er das Kloster Marmoutier an der Loire, das Mittelpunkt des kirchlichen Lebens wurde. Martins Leben war eine Synthese von Mönchtum und Mission.

Auf einer Visitationsreise in seiner Diözese starb er am 8. November 397 mit 81 Jahren. Er wurde in Tours am 11. November begraben. Er ist einer der beliebtesten Heiligen in Europa, außerdem der erste, der kein Martyrer war. Sein Grab wurde zu einem Wallfahrtsort. Der 11. November wurde bald hoch gefeiert. Um diesen Tag sammelte sich auch viel volksfrommes Brauchtum wie Lichterprozessionen, Vesper mit der Martinsgans und das Recht der Kinder, Gaben zu erbitten. Zins- und Gemeindetermine wurden auf den Martinstag angesetzt und es war der letzte Tag vor einer sechswöchigen vorweihnachtlichen Fastenzeit. Daran erinnert heute der Beginn des Karnevals und der Fastnacht. Besonders in den rheinischen Hochburgen wird am 11.11. die närrische Zeit eingeläutet.

Martini wird vor allem in Süddeutschland als Ende des bäuerlichen Jahres betrachtet, das Vieh wurde ein letztes Mal auf die Weide getrieben, für das Gesinde begann ein neues Dienstjahr. Der volkstümliche Kalender zeigt aber auch an, welch wichtiger Lostag das Fest des heiligen Martin ist: “Einem trüben St. Martinstag, kein strenger Winter folgen mag. Ist er aber hell und rein, richt‘ dich auf große Kälte ein”. “Wenn’s Laub nicht vor Martini fällt, kommt noch große Winterkält’”. “Ist der Martin hell, kommt der Winter schnell”, aber: “Macht Sankt Martin ein bö’s Gesicht, taugt der ganze Winter nicht”.

In ganz Deutschland wird St. Martin am 11. November mit verschiedenen Bräuchen gefeiert, in protestantischen Gegenden ist das Fest auf Martin Luthers Geburtstag am 10. November bezogen, bei den Katholiken feiert man das Gedenken an den heiligen Martin, den Bischof von Tours.

In Bernau ist die Tradition noch nicht so alt. Hier fand der erste Martinsumzug im Jahr 1975 statt, vor nunmehr 43 Jahren, angeregt von Katja Köpfer, heute verheiratete Maier, die im Ortsteil Dorf gemeinsam mit den Lehrern einen Laternenumzug organisierte. Schon damals gab es den heiligen Martin hoch zu Ross. Auch im Jahr darauf feierte man so im Dorf den Gedenktag des heiligen Martin, und Lehrerin Helga Günther erinnert sich, dass damals die Metzgerei Nunnenmacher an die Kinder Wurst und Wecken verteilt hat.

1977 regte der damalige Pfarrer Scheller an, den Martinsumzug mit einer Andacht in der Pfarrkirche zu verbinden, und so wurde der Umzug in den Ortsteil Innerlehen verlegt, die Laternen wurden in der Schule gebastelt. Die Organisation teilte sich die Schule später mit dem Kindergarten, als ein solcher in Bernau eingerichtet wurde.

Vor dem organisierten Umzug gingen früher beispielsweise die Kinder vom Hof mit ihren Laternen durch den Ortsteil, in Oberlehen zogen sie singend mit ihren Laternen von Haus zu Haus und bekamen kleine Gaben.

Info: In diesem Jahr findet der Umzug in Bernau am Sonntag, 11. November, statt. Er beginnt wie seit langem gewohnt für die Schul- und Kinderarteinkinder um 17.30 Uhr am Parkplatz Spitzenberg und zieht von da mit musikalischer Begleitung zum Kurpark. Hier gibt es eine kleine Vorführung mit St. Martin auf dem Pferd und dem Bettler, danach Einzug in die Kirche mit kurzer Andacht und Segnung der Weckmänner. Im Anschluss gemütliches Beisammensein am Martinsfeuer mit Punsch und Glühwein. Bei schlechtem Wetter treffen sich alle um 18 Uhr direkt in der Kirche.