Bittsteller Hoeneß wirbt um verärgerte Mitglieder

Der Brief kommt seltsam devot daher. Uli Hoeneß, für dessen Scharfzüngigkeit und verbale Wucht einst der Begriff „Abteilung Attacke“ erfunden wurde, erscheint im Schreiben an die Mitglieder wie ein unsicherer Bittsteller.

Drei Wochen nach der gleichermaßen peinlichen wie erstaunlichen Pressekonferenz muss der Präsident des FC Bayern sukzessive erkennen, dass er das Ziel nicht nur weit verfehlt, sondern auch noch beträchtlichen Schaden angerichtet hat. Nun versucht er zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist.

In einem Brief an ehemalige Mitglieder, die nach dem Auftritt von Hoeneß, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Hasan Salihamidzic verärgert aus dem Verein austraten, rückt der 66-Jährige zum zweiten Mal binnen weniger Tage von umstrittenen Äußerungen ab. „Mit ein wenig Distanz betrachtet, sind dort auch Formulierungen gefallen, die wir so heute nicht mehr verwenden würden“, zitierte die „Bild“-Zeitung aus dem abgedruckten Brief mit der Unterschrift des Vereinschefs.

„Eine tolle Sache“

Hoeneß wirbt mit höflicher Zurückhaltung für einen Wiedereintritt in den Kreis der Bayern-Familie. Die Münchner hofften, schreibt er, „dass es uns gelingt, Ihnen vor allem durch sportlich überzeugende Leistungen unserer Mannschaft wieder Lust auf unseren Klub zu vermitteln“. Ein entsprechender Sinneswandel bei den verprellten Mitgliedern „wäre eine tolle Sache“.

ARCHIV - 24.11.2017, Bayern, München: Vereinspräsident Uli Hoeneß kommt zur Jahreshauptversammlung des FC Bayern im Audi Dome. (zu dpa «Nächster Bayern-Präsident: Hoeneß sucht «eierlegende Wollmilchsau»» am 09.11.2018) Foto: Matthias Balk/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Hoeneß bei der Hauptversammlung seines Klubs vor einem Jahr

Quelle: dpa

Erst am vergangenen Mittwoch hatte Hoeneß Reue für seine „Scheißdreck“-Angriffe von der damaligen Pressekonferenz gegen den früheren Bayern-Profi Juan Bernat gezeigt. „Es hat mir sehr leidgetan, Juan Bernat beleidigt zu haben, seine Spielweise, das würde ich so nicht mehr machen“, sagte der Weltmeister von 1974 nach Münchens 2:0-Erfolg in der Champions League gegen AEK Athen.

Beim Rundumschlag der Bayern-Spitzen gegen die Medien hatte Hoeneß Bernat vorgeworfen, „fast alleine dafür verantwortlich“ gewesen zu sein, dass die Münchner im Viertelfinale der vergangenen Champions-League-Saison beinahe gegen den FC Sevilla ausgeschieden wären. Karl-Heinz Rummenigge irritierte während der Pressekonferenz mit einem Appell an die Medien unter Berufung auf das Grundgesetz („Die Würde des Menschen ist unantastbar“).